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Mandalay

Die vielbesungene ‚Road to Madalay‘ bin ich nicht gefahren, sondern über den Luftweg angereist. Dafür wagte ich mich in der über 40 Grad heißen Stadt auf neue Wege im Straßenverkehr. Und wurde schlussendlich doch ausgebremst.

Dass es in Myanmar um diese Jahreszeit heiß werden würde, war mir bewusst. Und dass Mandalay innerhalb des Landes in einer klimatisch extremeren Region liegt auch. Trotzdem verschlug mir der heiße Wind den Atem als ich das kleine Flugzeug verließ und in den wackeligen Bus umstieg, der uns zum Terminal brachte.

Auf einer Temperaturanzeige am Flughafen wurden 46 Grad Celsius angezeigt. Mein Telefon gab sich mit 41 Grad zufrieden. Irgendwo dazwischen lag wohl die Wahrheit.

Nachdem ich mein Hotel bezogen hatte unternahm ich einen ersten Spaziergang in der näheren Umgebung und spürte sofort, dass Mandalay völlig anders ist, als das irgendwie romantische Rangun mit seiner Mischung aus Buddhismus und Kolonialbauten. Weder von dem einen, noch von dem anderen war auf meinem Weg etwas zu sehen. Stattdessen ging es spürbar hektischer und lauter zu, die Abgase wehten mir um die Ohren und die Menschen erschienen mir bei weitem nicht so freundlich und aufgeschlossen.

Hatte ich am ersten Abend noch gehofft vielleicht einen falschen Eindruck bekommen zu haben oder schlichtweg in einer ungünstigen Ecke der Stadt gelandet zu sein, bekräftigten sich meine Befürchtungen allerdings in den darauf folgenden Tagen.

Immerhin, eine kleine Sehenswürdigkeit lag auf meinem ersten Spaziergang. Mitten auf einer vielbefahrenen Kreuzung steht ein Überbleibsel der britischen Kolonialherrschaft. Zum 60. Thronjubiläum von Queen Victoria im Jahre 1897 wurde ihr zu Ehren ein Uhrenturm errichtet. Zu diesem Zeitpunkt war das britische Empire weltweit das größte Reich, das noch immer expandierte und als unangreifbar galt.

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Am nächsten Morgen zog es mich zur wichtigsten Sehenswürdigkeit der Stadt, die neben der Shwedagon Pagode in Rangun und dem Goldenen Felsen in Kyaikhtiyo das dritte größte Heiligtum des Landes darstellt.

In der Mahamuni Pagode befindet sich die am Meisten verehrte Buddha Statue des Landes. Der 3,82 Meter große, sitzende Buddha stammt aus dem Jahre 1784 und ist eigentlich aus Bronze. Sein Haupt ist mit Diamanten, Rubinen und Saphiren geschmückt. Seit Anbeginn bringen Pilger Blattgold auf der Statue an. Bei einem Großbrand im Jahre 1884 war jedoch sämtliches Gold von der Statue herunter geschmolzen. Etwa 100 Kilogramm Gold konnten geborgen werden. Der damalige König Thibaw spendete dieselbe Menge noch einmal, so dass 200 Kilogramm wieder angebracht werden konnten.

Seither wächst die Goldmengen auf dem Mahamuni Buddha täglich. Seine Konturen hat er schon weitestgehend verloren. Wieviel Tonnen des Edelmetalls er heute tragen muss, ist unbekannt. 10 Kilo Gold werden zumindest jährlich vom Boden zusammengekehrt und zu neuem Blattgold verarbeitet.

Ich reihte mich bei den Gläubigen ein und fügte ein paar Gramm Blattgold hinzu.

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Der Aufgang zur Statue. Auch hier ist Frauen das Berühren des Heiligtums leider verboten.
Der Aufgang zur Statue. Auch hier ist Frauen das Berühren des Heiligtums leider verboten.

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Frauen ist das Berühren dieses Heiligtums auch hier untersagt. Dieses Mal habe ich nachgefragt. Die knappe Begründung lautete, dass Buddha gesagt hätte, dass Frauen auf einer niedrigeren Stufe als Männer stehen würden.

In Myanmar wird der konservative Theravada Buddhismus gelebt, die älteste noch existierende Schultradition des Buddhismus, der seine Abstammung auf jene Mönchsgemeinde zurückführt, die zu den ersten Anhängern Buddhas gehörten. Nach unserer Zeitrechnung war das etwa 500 v. Chr. und die Rolle der Frau dementsprechend. Eine Reformation innerhalb dieser Linie scheint es nicht gegeben zu haben.

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Immerhin etwas Moderne: Monitore ermöglichen einen Blick auf den Mahamuni Buddha auch bei großem Andrang

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Das viele Gold stammt meistens aus Myanmars Lebensader, dem Fluss Ayeyarwaddy und wird in schweißtreibender Handarbeit zu Blattgold geschlagen. Ein echter Knochenjob. Stundenlang hämmern die Goldschläger mit dem Vorschlaghammer auf die Goldpäckchen ein, bis die darin enthaltenen Goldlagen nur noch einen Tausendstel Millimeter dick sind. Obwohl die Goldschläger mit spätestens Mitte 40 körperlich völlig verschlissen sind, ist der ehrwürdige Beruf sehr gefragt und wird anscheinend auch vergleichsweise gut entlohnt.

Goldschlaeger

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Frauen verpacken das Blattgold in die Päckchen, die es an den Heiligtümern zu kaufen gibt

Mein Weg führte mich weiter zur Kuthodaw Pagode, in der der sogenannte ‚Pali Kanon‘, die älteste überlieferte Sammlung der Reden Buddhas, auf 729 Marmortafeln festgehalten wurde. Über 200 Steinmetze waren 7,5 Jahre mit der Erstellung dieses ‚größten Buchs der Welt‘ beschäftigt. Die Fertigstellung erfolgte im Jahre 1868. Jede Tafel, also jede ‚Seite‘ des Buches, steht in einer eigenen kleinen weißen Pagode.

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Eine 'Seite' des größten Buchs der Welt
Eine ‚Seite‘ des größten Buchs der Welt
Die Kuthadow Pagode vom Mandalay Hill aus betrachtet
Die Kuthadow Pagode vom Mandalay Hill aus betrachtet

Am Ende eines langen Tages wagte ich noch den Aufstieg auf den 236 Meter hohen Mandalay Hill und ließ mir ein wenig den aufkommenden Abendwind um die Nase wehen. Die Aussicht war dem heißen Wetter entsprechend diesig. Wieder am Fuße des Hügels angekommen besichtigte ich in der Kyauktawgyi Pagode eine Buddha Statue, die aus einem einzigen, gewaltigen Marmorblock geschlagen wurde.

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Ich ärgerte mich wahnsinnig, dass ich meine Kamera sicher in meinem Rucksack verstaut hatte. Zumal ich kurz vorher noch überlegte, ob ich nicht Aufnahmen machen soll. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag landete ich als Fahrgast auf einem der zahlreichen Motorradtaxis, das mich zu meinem Hotel brachte. Aber diese Fahrt war eine besondere.

Wir fuhren minutenlang in den Sonnenuntergang rein.

Da Mandalays Innenstadt schachbrettmusterartig angeordnet ist konnte uns keine Kurve diesen herrlichen Blick auf die blutrote Sonne verderben, die zwischen den Häusern in der Straßenflucht hing.

Manche Momente kann man eben nicht festhalten…

Meine restliche Zeit in Mandalay hielt mich trotz aller Hygienevorsicht ‚Montezumas Rache‘ in Schach, so dass ich mir nicht alles, was ich mir vorgenommen hatte, ansehen konnte. Im Prinzip kann das nur ‚Auf Wiedersehen, Myanmar‘ heißen. Ich komme bestimmt wieder. Es gibt noch viel zu entdecken.

Tipps für Mandalay

(Alle Preise Stand 04/2015)

  • Was in Rangung noch günstig und einfach war erwies sich in Mandalay als teurer und schwierig. Taxis waren am Straßenrand schwer zu kriegen. Wer eins benötigt sollte zumindest bis zur nächsten Kreuzung laufen. Die Fahrer sitzen dort zusammen im Schatten und warten auf Kundschaft. Aber selbst wenn man jemanden gefunden hat – sobald man sein Ziel genannt hat beginnt ein Gespräch unter den Fahrern, das minutenlang dauern kann. Die Fahrpreise sind fast doppelt so hoch wie in Rangun. Eine Fahrt im Zentrum liegt bei etwa 5.000 Kyat (5€).
  • Wer mutiger ist steigt auf eines der zahlreichen Motorradtaxis. So ist nicht nur die Aussicht auf die Stadt besser, der Fahrtwind sorgt auch für eine angenehme Erfrischung. Außerdem kommen Motorradtaxis dort weiter, wo Autos im Stau stehen. Helme für die Gäste haben die Fahrer dabei. Oftmals passen sie jedoch nicht. Preislich liegt eine Fahrt im Zentrum zwischen 2.000 – 3.000 Kyat (2-3€).
  • Die Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum dauert etwa eine Stunde und schlägt mit 12.000 Kyat (12 €) zu Buche.
  • Das Phänomen Souvenirverkäufer oder gar ‚falsche Mönche‘, die einem großzügig die Pagoden zeigen, aber hinterher um zu hohe persönliche Spenden bitten, hat hier inzwischen Einzug gefunden. Bei jedem großzügigen Angebot bitte vorher erfragen, ob es einen Preis hat.

3 Gedanken zu „Mandalay“

  1. Faszinierend, wie innerhalb eines Landes die Mentalitaeten so unterschiedlich sind. Vielleicht ein bisschen wie in Deutschland (von den Schwaben bis zu den Preussen)? Wie immer faszinierend. Aber 46 Grad – mein lieber Schwan! Vielen Dank fuer’s Schreiben und Kommentieren und dafuer, dass ich an Deiner Reise teilhaben darf.

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