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Ein Kreis schließt sich

Zwei wundervolle Reisen. Vier Monate Asien. Ein fantastisches Kapitel meines Lebens endete dort, wo es begann. In Saigon.

Als ich mit dem Taxi nach Saigon reinfuhr, überkam mich ein intensives Gefühl, das ich nicht zuordnen konnte. Ein schönes Gefühl, das, je näher wir uns dem Zentrum näherten, immer stärker wurde. Als ich die ersten bekannten Orte erblickte wurde mir klar, was es ist. Trotzdem ist es schwer zu beschreiben.

Als ich vergangenes Jahr zu meiner ersten zweimonatigen Reise antrat, begann sie in Saigon. Zu diesem Zeitpunkt war ich voller Aufregung, voller Erwartungen und hatte Respekt vor meiner eigenen Courage. Es war das erste Mal überhaupt, dass ich meine Heimat für einen so langen Zeitraum hinter mir ließ und ich weiß noch, dass meine größte Sorge war, auf dieser Reise völlig zu vereinsamen.

Das ist natürlich nicht passiert. Stattdessen hatte ich viele Begegnungen mit wundervollen Menschen, habe atemberaubende Orte gesehen, mir viele Träume erfüllt und vor allem Erfahrungen gemacht, die mich für den Rest meines Lebens begleiten und es prägen werden.

All das vereinte sich in diesem intensiven Gefühl, dass mich einnahm, als ich wieder an dem Ort ankam, an dem alles begann. Beide Reisen verschmolzen zu einer Einheit. Zu einem Kreis, der sich jetzt schloss. Zu einem Kapitel, das nun endete.

Angetreten bin ich damals mit der Idee, bei meinen Reisen die weltweite Kampfkunstfamilie zu besuchen. Deswegen heißt dieser Blog auch ‚following budo‘. Nicht immer ist mir das so intensiv gelungen, wie ich es mir gewünscht habe. Oft wäre es zu Lasten wichtigerer Dinge gegangen. So lange vier Monate Reisen auch klingt – schlussendlich ist es trotzdem eine begrenzte, wertvolle Zeit. Trotzdem habe ich auf meinem Weg viel Budo erleben dürfen. Auch in Saigon.

Als ich – immer noch vereinnahmt von diesem intensiven Glücksgefühl – mein Zimmer im siebten Stock betrat, staunte ich nicht schlecht, als sich eine große Ansammlung Kampfsportler auf einem Platz direkt vor meinem Hotel für das Training vorbereitete. Das rundete meine intensive Stimmungslage noch ab und so machte ich mich sofort auf den Weg zu den Kollegen und beobachtete als Gast ihre Taekwondo, Karate und Viet Vo Dao Trainingseinheiten.

Training bei Sonnenuntergang
Training bei Sonnenuntergang
Beim Viet Vo Dao spielen hohe Sprünge eine große Rolle
Beim Viet Vo Dao spielen hohe Sprünge eine große Rolle
Kleines Feierabendkämpfchen
Kleines Feierabendkämpfchen

Am nächsten Morgen holte ich Uwe und Basti vom Flughafen ab und wir starteten von dort aus unseren Ausflug zu den Tunneln von Cu Chi. Im Anschluss daran besuchten wir gemeinsam die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Saigons, die Basti noch nicht kannte. Der Abstecher der beiden, die eigentlich Urlaub in Bangkok machten, war ein weiterer, fast unheimlicher Baustein in meiner Abschiedsstimmung. Mit Uwe startete meine Reise letztes Jahr in Saigon und nun endete sie mit ihm auch hier. Das roch nicht mehr nach Zufall. Das sollte alles so sein.

Präsidentenpalast
Wiedervereinigungspalast
Notre Dame Kathedrale
Notre Dame Kathedrale
Hauptpostamt
Hauptpostamt
Hauptpostamt
Hauptpostamt

Am Ben Thanh Markt staunten wir nicht schlecht, als wir feststellten, dass das berühmte Reiterdenkmal in der Mitte des Verkehrskreisels verschwunden ist. Es wurde in ein Museum verbracht, da an dieser Stelle eine U-Bahn Station gebaut wird.

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Verschwundenes Reiterdenkmal. Hier entsteht eine U-Bahn Station.
Verschwundenes Reiterdenkmal. Hier entsteht eine U-Bahn Station.
Ben Than Markt von der Aussichtsplattform des Bitexco Towers aus gesehen
Ben Thanh Markt von der Aussichtsplattform des Bitexco Towers aus gesehen

Am frühen Abend machten sich Uwe und Basti wieder auf den Rückweg nach Bangkok.

Den letzten Tag meiner Reise hatte ich für einen ganz besonderen Ort reserviert, der mich vergangenes Jahr in seinen Bann gezogen hatte. Mitten im lauten und turbulenten Cholon, dem chinesischen Viertel Saigons, entdeckten wir damals die wunderschöne ‚Pagode der himmlischen Frau‘.

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Ganz besinnlich konnte ich meine Reise hier abschließen. Ich habe Räucherstäbchen entzündet und meine Gedanken in die vergangenen Monate schweifen lassen. Ich bin dankbar, dass ich all diese schönen Momente erleben durfte. Keineswegs nehme ich das als selbstverständlich hin.

4cropDSCN3367 DSCN3404 DSCN3408 DSCN3416Im Februar ist eine Tante von mir nach langer Krankheit verstorben. Sie hatte meine letztjährige Reise noch verfolgt und auch die Videoaufnahmen aus dieser wunderschönen Pagode bestaunt. Ich beendete meine Reise indem ich eine Räucherspirale für sie entzündete. Der Rauch trägt meine Wünsche für sie gen Himmel.

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In dem Moment als ich in mein Hotel zurückkehrte setzte ein Wolkenbruch die Straßen Saigons unter Wasser. Die verspätete und von den Einheimischen sehnsüchtig erwartete Regenzeit begann… und für mich wurde es Zeit aufzubrechen.

Ich werde natürlich auch zukünftig reisen. Und ich werde hoffentlich weiterhin viele tolle Erfahrungen machen. Diese beiden Reisen jedoch werden in vielerlei Hinsicht einzigartig bleiben und immer einen besonderen Platz in meinem Leben haben.

Following Budo bedeutet, dem Weg der Kampfkünste zu folgen. Damit ist nicht nur die Spurensuche in fernen Ländern gemeint, sondern auch, Dinge zu wagen und zu meistern, von denen man vorher dachte, man würde sie nicht schaffen. Über seine Grenzen hinauswachsen. Und sich durch schlechte Zeiten durchbeißen, um danach wieder etwas Wundervolles zu erleben.

„Das könnte ich nicht…“ ist sicherlich der Satz, den ich vor, zwischen und während dieser beiden Reisen von vielen Menschen am meisten gehört habe. Ich wusste auch nicht, ob ich es kann. Aber hier kam mein Lebensmotto wieder ins Spiel…

„Ein Weg entsteht, indem man ihn geht.“ 

4 Gedanken zu „Ein Kreis schließt sich“

  1. Und genau so ist das! Du hast das ganz toll auf einen Nenner gebracht, was das Reisen ist, und was es bedeutet für Alle, die es wagen. Ich hoffe, Du inspirierst viele Deiner Freunde, es Dir gleich zu tun.

    In fast jedem Land in dem ich gereist bin habe ich irgendwann einmal so einen Punkt erlebt an dem einen völlig undefinierbare Gefühle überwältigen. Ich habe das immer „THE Moment“ genannt. Ich freue mich zu hören, dass Dir das genauso geht. Vielen Dank, Kim!

  2. Lieber Kim, der Kreis schließt sich auch für alle, die mitgelesen haben! Es war toll, dass wir dich ein Stück begleiten durften und ich freue mich auf deine live Erzählungen. Willkommen in der Heimat! Liebe Grüße und bis ganz bald in meinem Garten 😉 Kathrin

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