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The heat is on in Saigon: Ho-Chi-Minh-Stadt

Auf das Abenteuer Saigon hatte ich mich nicht vorbereitet. Als einzige Etappe meiner Reise hatte ich die Planung komplett in Uwes Hände gelegt und beschlossen mich überraschen zu lassen. Uwe war vor zwei Jahren schon einmal kurz beruflich hier. Für eine ausgiebige Besichtigung blieb damals keine Zeit, aber einige nette Kollegen, die er während seines Aufenthalts hier kennenlernte, ließen in den vergangenen Monaten nicht locker und bestanden regelrecht darauf, ihm ihre Stadt zu zeigen. 

Generell wusste ich über Ho-Chi-Minh-Stadt, wie Saigon seit der Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam im Jahre 1976 genannt wird, relativ wenig. Um nicht zu sagen gar nichts. Ein bisschen Popkultur, die aber nicht hilfreich war. Wenn ich zufällig in irgendeine Dokumentation reinzappte, blieben sowieso nur die Bilder vom chaotischen Straßenverkehr hängen, der die wohl höchste Motorrollerdichte des Planeten aufweisen dürfte.

Nach 11 Stunden Flug wankten wir völlig erledigt aus dem Flieger und verbrachten die nächste halbe Stunde damit am Gepäckband 1 auf unsere Koffer zu hoffen. Das Nachbarband war zwar schon randvoll mit Gepäck, das zum gefühlt zehnten Mal seine Kreise zog, aber die zugehörigen Passagiere waren noch nicht eingetroffen. Wohl ein kleiner Koordinationsfehler. Kann ja mal passieren.

Der Pilot hatte uns beim Landeanflug schon vorgewarnt, aber es fiel uns schwer zu glauben, dass es um 7 Uhr morgens schon 30 Grad heiß sein sollte. Beim Verlassen des Flughafens stellten wir fest, dass er wohl doch recht hatte. Wir stiegen also rasch in ein klimatisiertes Taxi zum Hotel, frühstückten, holten einen Teil des Schlafdefizites nach und stürzten uns ins Abenteuer Vietnam.

Unsere erste Anlaufstelle war der größte Markt Saigons, der Ben-Thanh-Markt, dessen Uhrturm das Wahrzeichen der Stadt ist. Davor thront in der Mitte eines sehr lebhaften Kreisverkehrs das Reiterdenkmal des Tran Nguyen Han, der im 13. Jahrhundert in Vietnam zum ersten Mal Brieftauben zum Einsatz brachte, umrandet von sozialistischer Propaganda.

Die ersten Eindrücke festigten sich schnell. Alles in Saigon läuft ein wenig durcheinander. Verkehrsregeln scheint es nicht zu geben. Das enge Gewusel in der Markthalle als lebendig zu bezeichnen scheint schon fast untertrieben. Wir wurden von Eindrücken, Stimmengewirr, Gerüchen und Geräuschen fast überfordert und mussten ständig aufpassen niemanden umzurennen, oder noch schlimmer vor ein Fahrzeug zu laufen. Anhalten wird hier für Fußgänger niemand. Wer die Straße überqueren will muss einfach drauf los laufen und sich irgendwie durchschlängeln. Dass es in Saigon ein Dauer-Hupkonzert gibt hat nicht mit Agressivität zu tun. Das Gegenteil ist der Fall. Mit seinem Hupen will der Fahrer sich vorausschauend ankündigen. Erstaunlicherweise klappt das meistens hervorragend. Manchmal aber auch nicht. Geht es um Unfalltote liegt Vietnam, insbesondere Saigon sehr weit oben in der Statistik.  Verwunderlich ist das nicht. Autos sind sehr selten zu sehen. Gefühlt 90% der Verkehrsmittel auf der Straße sind Mofas und Motorroller, auf denen dann aber auch alles transportiert wird. Man staunt nicht schlecht, wenn man 5 Personen auf einem Zweirad an sich vorbei rasen sieht. Mitsamt Gepäck versteht sich.

 

Unser Spaziergang führte uns weiter zur Kathedrale Notre Dame, in der gerade ein Gottesdienst abgehalten wurde. Lange habe ich nicht mehr eine so gut besuchte Kirche gesehen und bei geöffneten Türen verfolgten viele Mofafahrer die Messe im Freien. Direkt daneben besichtigten wir das Hauptpostamt aus dem Jahre 1891, dessen Stahlkonstruktion von Gustave Eiffel entworfen wurde. Im Laufe der Jahre wurden nur kleine Renovierungen an den Schaltern vorgenommen. Ansonsten erstrahlt das Hauptpostamt noch im ursprünglichen Glanz. Portrait des sozialistischen Revoluzzers Ho-Chi-Minh inklusive.

Den ersten Abend ließen wir bei einem arg köstlichen vietnamesischen Essen mit Arbeitskollegen von Uwe ausklingen.

Mit dem Besuch des früheren Regierungspalastes, dem ‚Palast der Wiedervereinigung‘ starteten wir in unseren zweiten Tag, der es temperaturtechnisch wahrlich in sich hatte. Schon um 10 Uhr vormittags wurde eine offizielle gefühlte Temperatur von 42 Grad ausgegeben und der Gang durch die Räumlichkeiten des ehemaligen Präsidenten Vietnams wurde zur Tortur. In dem Glanzstück der 1960er Jahre schien nämlich gar kein Sauerstoff mehr vorhanden zu sein. Trotzdem beeindruckte uns der sozialistische Chic der sechs Etagen. 1975 übernahm die nordvietnamesische Befreiungsarmee das Gebäude, in dem später die Wiedervereinigung Vietnams beschlossen wurde.

Das chinesische Viertel ‚Cholon‘ potenzierte noch einmal alles, was wir in Saigon schon gesehen hatten. Es schien uns unmöglich, aber hier gab es noch mehr Mofafahrer, der Verkehr war noch chaotischer, die Straßen und Gassen noch enger. Über 500.000 Chinesen leben in diesem Stadtteil dessen Name übersetzt ‚Großer Markt‘ bedeutet und der im 19. Jahrhundert ein verruchtes Vergnügungsviertel war.

In dieser Zeit entstanden auch einige Tempel. Wir besichtigten die ‚Pagode der himmlischen Frau‘ (Chua Thien Hau). Eine wunderschöne Anlage, in der unzählige riesige Räucherspiralen entzündet werden. Auf roten Zetteln, die in den Spiralen hängen, schreiben Spender ihre Wünsche. Der Rauch soll diese zu den Göttern tragen.

Mitten im Chaos strahlt die Pagode eine Harmonie und Ruhe aus, die einen sofort einnimmt.

Das war es dann auch schon mit unserem Kurzabenteuer in Saigon. Morgen fahren wir weiter nach ‚Mui Ne‘ um ein wenig am Strand zu entspannen. Angeblich ist er 9 Kilometer lang. Überprüfen werde ich das aber nicht.

Ein kleines Video von unserem Ausflug gibt es hier zu sehen.

3 Gedanken zu „The heat is on in Saigon: Ho-Chi-Minh-Stadt“

  1. Also Kim, da lauf ich Sonntag 42 km beim Marathon in HH da kannst Du doch mal eben den Strand ablaufen und prüfen ob die 9km richtig angegeben sind…..frech grins
    Genieße die Zeit weiterhin. Denn auch 2 Monate sind oft viel zu kurz. Komm heil zurück. Dat Knœvie

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