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Traumwelten

Ein spontaner Abstecher führte mich zu einem der atemberaubendsten Orte meines Lebens und wird meine Art des Reisens dauerhaft verändern. Die unbeschreiblichen Höhlen im Phong Nha Ke Bang Nationalpark.

Ich wollte dieses Jahr unbedingt mit dem berühmten ‚Wiedervereinigungsexpress‘ Vietnam bereisen. Nur nicht die komplette Strecke. Der Zug startet in der Hauptstadt Ha Noi und benötigt für sein 1.700 Kilometer entferntes Ziel Ho-Chi-Minh Stadt, besser bekannt als Saigon, gute 33 Stunden. Und es gibt Fahrgäste, die diese Strecke komplett auf Holzbänken in nicht klimatisierten Wagen zurücklegen.

Bei 40 Grad Außentemperatur entschied ich mich für die etwas bequemere Variante. Ich legte meinen Weg nach Dong Hoi in einem sogenannten Soft Sleeper zurück, einem klimatisierten Vier-Betten-Schlafabteil.

Ich befürchtete das Schlimmste. Meine letzte Reise mit einem Nachtzug lag Ewigkeiten zurück und Vietnams Schienen sind nicht gerade für ihren besten Zustand  bekannt. Letzteres erwies sich aber fast als Glücksfall. Nachdem der Zug sich gegen 20 Uhr in Bewegung setzte und eine unglaubliche Stille im Schlafwagen einkehrte – die Abteile waren oben nicht abgeschlossen, so dass Geräusche aus den Nachbarabteilen zu hören waren – schaukelte mich der Zug in einen tiefen Schlaf, aus dem ich tatsächlich erst mit Sonnenaufgang wieder erwachte. Nach 10 Stunden Fahrt erreichten wir das 540 Kilometer entfernte Dong Hoi.

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Ich habe unten links geschlafen und mir das Abteil mit einer sehr netten vietnamesischen Familie geteilt
Ich habe unten links geschlafen und mir das Abteil mit einer sehr netten vietnamesischen Familie geteilt

Vietnam Morgen 1

Guten Morgen, Vietnam
Guten Morgen, Vietnam

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Ankunft in Dong Hoi
Ankunft in Dong Hoi

Von Dong Hoi aus unternahm ich einen Tagesausflug in den Phong Nha-Ke Bang Nationalpark, der 2003 zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt wurde. Mit dem Bus wurde ich abgeholt und mit jedem zugestiegenen Gast bildete sich ein interessantes Grüppchen. So verbrachte ich den Tag mit einem Kanadier, der zur Zeit in Japan lebt, einer Koreanerin, die in Deutschland als Ärztin praktiziert, einem japanischen Pärchen, einer Italienerin und einem Litauer für den die Höhlen Schwerpunkt seiner Reise waren. Noch am gleichen Abend trat er eine Tour zur größten Höhle der Welt ‚Hang Son Doong‘ an.

Die erst 2009 erforschte Höhle ist unglaubliche 9 Kilometer lang und 200 Meter hoch. Das gesamte Höhlensystem hat eine Länge von 56 Kilometern. Jedes Jahr wird in Vietnam neu entschieden, ob und wieviele Touristen für einen Besuch zugelassen werden. In diesem Jahr haben 450 von mehreren tausend Bewerbern das Glück. Die Touren dauern sechs Tage und kosten etwa 3.000 Dollar. Um zur Höhle zu gelangen muss ein zweitägiger Fußmarsch über 17 Kilometer zurück gelegt werden. Ich bin sicher die Strapazen lohnen sich. Fotos und Videos aus der ‚Hang Son Doong‘ sind atemberaubend und ich bin ganz ehrlich – ich träume davon diesen Ort einmal zu besuchen.

Denn der Ausflug zu den kleineren Höhlen hat mich bereits umgeworfen. Bei meinen bisherigen Reisen lag der Focus selten auf Natur. Ich bin in der Regel kein Wandertyp und die Tier- und Pflanzenwelt weckt selten mein Interesse. Aber diese Naturwunder ließen mich sprachlos zurück und werden meine Art des Reisens nachhaltig verändern.

Vorab muss ich erwähnen, dass ich beim Durchsehen der Fotos fast enttäuscht war. Aber eigentlich hätte es mir auch dieses Mal wieder klar sein müssen: Bilder können unmöglich transportieren wie gewaltig das Gesehene vor Ort war.

Thien Duong Höhle (Paradieshöhle)

Wir starteten unseren Tag in der Thien Duong Höhle, die längste trockene Höhle der Welt. Etwa 1 Kilometer von insgesamt 31 ist zugänglich. Die Höhlen im Phong Nha-Ke Bang Nationalpark haben sich über einen Zeitraum von 400 Millionen Jahren entwickelt.

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Der Nationalpark
Der Nationalpark
Wir besichtigten den ersten Kilometer der 31 Kilometer langen Höhle
Wir besichtigten den ersten Kilometer der 31 Kilometer langen Höhle

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Phong Nha Höhle

In die Phong Nha Höhle fuhren wir mit einem Boot hinein und wurden von hunderten quiekenden Fledermäusen begrüßt. Wir waren glücklicherweise nur eines von wenigen Booten an diesem Nachmittag und konnten dadurch eine mystische Stille in der Höhle genießen. Wir besichtigten auch hier etwa einen Kilometer des 65 Kilometer langen Höhlensystems bevor das Boot umkehrte. Die letzten Meter Richtung Tageslicht gingen wir zu Fuß durch atemberaubende Formationen für die ich keine Worte finde.

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Mit dem Boot Richtung Phong Nha Höhle
Mit dem Boot Richtung Phong Nha Höhle
Durch das 'Drachenmaul' geht es in die Höhle
Durch das ‚Drachenmaul‘ geht es in die Höhle
Dabei wird es kurz eng
Dabei wird es kurz eng

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Diese wundervollen Eindrücke werden meine Art des Reisens nachhaltig verändern… Ob es zu einem Besuch der größten Höhle der Welt kommen wird, weiß ich nicht. Aber in jedem Fall werde ich zukünftig die Augen offen halten, welche Naturwunder auf meinem Wege liegen.

Tipps 

  • In jedem Hotel ist man bei der Buchung eines Zugtickets behilflich. Ein Mitarbeiter des Bahnhofes bringt dieses gegen eine geringe Gebühr im Hotel vorbei. Die Fahrt von Ha Noi nach Dong Hoi (540 Kilometer, 10 Stunden) kostete ca. 25$. Ein weiterer Abschnitt von Dong Hoi nach Hue (188 Kilometer, 3.5 Stunden) kostete ca. 5$.
  • Verpflegung gibts auf dem Bahnsteig oder von Verkäufern die ihre Wagen mit allen möglichen Angeboten durch den Zug ziehen. Von warmer Küche bis zum Snack ist alles dabei.
  • Die Höhlen und der Nationalpark lohnen eine Übernachtung in Dong Hoi. Der Ausflug begann um 8 Uhr früh und endete um 18 Uhr. Von Hue aus werden diese Ausflüge ebenfalls angeboten, allerdings ist eine 3-4-stündige Anfahrt einzukalkulieren. Von Dong Hoi aus kostete der Tagesausflug inclusive aller Eintrittskarten und einem vietnamesischen Mittagessen 40$.

3 Gedanken zu „Traumwelten“

  1. Hmmm, Das gibt mir natuerlich zu denken (als einer die immer auf den Spuren der UNESCO Kulturwunder und auch fast nie auf den Spuren der Naturwunder reist)… Sehr interessant. Und doch, die Fotos vermitteln schon eine ganze Menge. Vielen Dank.

    1. Ja, so ging es mir auch. Vor allem wusste ich gar nicht, dass es so etwas wie ein WeltNATURerbe seitens der Unesco gibt. Ach es gibt so viel Wundervolles zu ergründen. Ein Leben reicht da nicht…

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