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Singapur

Unfassbar außergewöhnlich und beeindruckend modern. Singapur hat mir die Sprache verschlagen. 

Singapur ist ein Stadtstaat, der fast so groß ist wie Hamburg, jedoch mit 5,5 Millionen Menschen fast dreimal so viele Einwohner hat. Durch eine rigorose Politik hat es das kleinste Land Südostasiens in den letzten Jahrzehnten zu einem der Länder mit den höchsten Lebensstandards gebracht. Singapur hat einen der größten Handelshäfen der Welt und einen ultramodernen Flughafen als internationales Drehkreuz. Berühmt-berüchtigt ist das sehr strenge Strafrecht, das zum Beispiel bei nachgewiesenen Lügen neben einer empfindlichen Geldstrafe auch Prügel mit dem Rohrstock vorsieht. In Singapur muss man wirklich aufpassen, nicht aus Versehen mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Kaugummis werden weiterhin nur mit ärztlichem Attest gestattet, das Essen und Trinken in öffentlichen Verkehrsmitteln ist verboten, ebenso das Rauchen im Freien sobald sich mehr als 5 Personen in unmittelbarer Nähe befinden.

Das Zusammenleben ist multikulturell und oftmals staatlich geregelt. Zum Beispiel wird bei der Vergabe von Wohnungen auf eine ethnische Durchmischung geachtet, um Ghettobildungen zu verhindern. Es kann dadurch vorkommen, dass eine freie Wohnung nur an Chinesen oder Muslime vermietet werden darf. Etwas, was in Deutschland durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verboten ist. Viele verschiedene Landsleute, mit verschiedenen Religionen, leben hier auf engstem Raum zusammen. Christliche Kirchen, buddhistische und hinduistische Tempel und Moscheen stehen in direkter Nachbarschaft nebeneinander. Die Mehrheit der Einwohner sind Chinesen, gefolgt von Malaien und Indern. Die verbreitetste Religion ist der Buddhismus.

Es gäbe viel über Singapurs bewegte Geschichte und seine Besonderheiten zu berichten. Viel zu viel, als dass ich das hier auch nur im Ansatz abdecken könnte.

Als ich mich nachmittags mit dem Taxi dem Stadtzentrum näherte tobte mal wieder ein heftiges Tropengewitter und in Sachen Übernachtung war ich vom traumhaften Baderessort wieder auf einfache Holzklasse zurückgefallen. Ich wohnte in ‚Little India‘ und versuchte noch einige erste Eindrücke zu gewinnen, gab aber schnell wieder auf. Der Regen schien immer heftiger zu werden, es war schlichtweg zwecklos.

Am nächsten Morgen wachte ich schweissgebadet mit Kopfschmerzen auf. Die Klimaanlage war wie so oft schwer zu regulieren und ich hatte sie in Sorge mir über Nacht eine Erkältung einzufangen vorsorglich ausgeschaltet. Das Zimmer hatte sich völlig aufgeheizt.

Vor der Tür wurde die Lage nicht besser. Anstatt frische Morgenluft erwartete mich eine Schwüle, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe. Ich kam mir vor wie in einer Dampfsauna. Nur ohne Ausgang. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage war katastrophal. Egal wo ich nachschaute, es wurden mir 3 Tage Dauerregen prophezeit.

Noch war es trocken und so beschloss ich als erstes nach Marina Bay zu fahren, um die Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, wegen denen ich hauptsächlich hergekommen war.

Gardens by the Bay

Ich habe das weltberühmte Marina Bay Sands Hotel und die futuristisch anmutende Parkanlage Gardens by the Bay schon auf unzähligen Fotos bestaunt und konnte es kaum abwarten alles mit eigenen Augen zu sehen. Zunächst ärgerte ich mich über den wolkenverhangenen Himmel, jedoch kam durch die Unwetterwolken eine faszinierende dystopische Stimmung auf. Genau mein Fall. Die zwei riesigen Kuppeln wirken ohnehin wie Habitate auf einem fremden Planeten, in denen versucht wird eine künstliche Atmosphäre für Leben zu erschaffen. Und die 25 bis 50 Meter hohen Metallbäume scheinen ebenso aus einer fernen Zukunft zu entstammen, wie das gigantische Marina Bay Sands Hotel, auf dessen drei Türmen in 191 Metern Höhe ein 340 Meter langer Dachgarten thront. Alles ist auf künstlichem Land erbaut, mit dessen Gewinnung man in den 1970er Jahren begonnen hatte. Die Eröffnung des Marina Bay Komplexes fand im Jahre 2010 statt.

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Ein Skyway führt zwischen den Bäumen hindurch
Ein Skyway führt zwischen den Bäumen hindurch

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Nicht nur optisch ist die Parkanlage beeindruckend. Bei den Supertrees handelt es sich um vertikal bepflanzte Gärten, die zusätzlich mit Photovoltaikanlagen und Regenwasserspeichern ausgestattet sind. Mit den Solarzellen wird teilweise der Strom für die abendliche Beleuchtung gewonnen. Zudem dienen sie als Belüftungsschächte für die Gewächshäuser. Hochgradig beeindruckend ist der Cloud Forest. Im höheren der beiden Gewächshäuser ist ein 42 Meter hoher künstlicher Berg geschaffen worden, von dem sich ein Wasserfall 35 Meter in die Tiefe stürzt und für eine traumhaft erfrischende Luft inmitten der tropischen Schwüle sorgt. Mit einem Fahrstuhl fährt man auf den Gipfel und läuft von dort auf einem Wanderweg wieder hinunter. Insgesamt mehr als 200.000 Pflanzen aus der ganzen Welt soll man unter den beiden Glaskuppeln begutachten können.

Im Cloud Forest herrschten angenehme 25 Grad, mehr als 10 Grad kühler als draußen
Im Cloud Forest herrschten angenehme 25 Grad, mehr als 10 Grad kühler als draußen
Auf Wanderwegen geht es wieder bergab
Auf Wanderwegen geht es wieder bergab

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Im zweiten Gewächshaus 'Flower Dome'
Im zweiten Gewächshaus ‚Flower Dome‘

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Am Abend wird die ganze Szenerie spektakulär illuminiert und die Supertrees wechseln effektvoll im Rahmen einer Musikshow ihre Farben. Ich bekam noch die Weihnachtsshow zu sehen, die von ‚Freude schöner Götterfunke‘ bis hin zu ‚All I want for Christmas is you‘ alles aufbot und den größten aller Supertrees in der Mitte als überdimensionalen Weihnachtsbaum aufleuchten ließ.

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Am nächsten Tag zog es mich auf die andere Seite des Hotels an die eigentliche, namengebende Bucht Marina Bay, an der sich Singapurs beeindruckende Skyline mit ihren Bankhochhäusern und das Wahrzeichen der Stadt, die wasserspeienden Merlion Statue befinden. Der Merlion ist halb Meerjungfrau (Mermaid) und Löwe (Lion) und spielt auf die Vergangenheit Singapurs als Fischerdorf und den Originalnamen ‚Singapura‘, die Stadt des Löwen, an.

Marina Bay Sands mit dem Art Science Museum in Form einer Lotusblüte
Marina Bay Sands mit dem Art Science Museum in Form einer Lotusblüte

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Merlion und Singapurs Skyline
Merlion und Singapurs Skyline

Eigentlich nur mal kurz wollte ich auf die Aussichtsplattform des Marina Bay Sands, um einen Blick von oben zu werfen. Das Wetter bot jedoch so spannende Wendungen, dass ich mich gar nicht sattsehen konnte und beschloss auf den Einbruch der Dunkelheit zu warten. Es hat sich gelohnt. Schlussendlich habe ich ganze fünf Stunden die atemberaubende Aussicht genossen und Dank moderner Technik von dort aus über das Internet sogar mit meiner Mutter telefoniert. Ich liebe das 21. Jahrhundert.

Die großzügige Aussichtsplattform auf dem Dachgarten des Marina Bay Sands
Die großzügige Aussichtsplattform auf dem Dachgarten des Marina Bay Sands

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Fast wie aus einem Science Fiction Film. Unwetterkapriolen über Singapur.
Fast wie aus einem Science Fiction Film. Unwetterkapriolen über Singapur.

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Gardens by the Bay
Gardens by the Bay
Das Nationalstadion. Derzeit der größte Kuppelbau der Welt.
Das Nationalstadion. Derzeit der größte Kuppelbau der Welt.
'The Float' ist die derzeit weltgrößte Seebühne.
‚The Float‘ ist die derzeit weltgrößte Seebühne.
Die 'Esplanades Theatres' sind den Durianfrüchten nachempfunden.
Die ‚Esplanades Theatres‘ sind den Durianfrüchten nachempfunden.
Nur für Hotelgäste: der 150 Meter lange Infinity Pool in 191 Metern Höhe
Nur für Hotelgäste: der 150 Meter lange Infinity Pool in 191 Metern Höhe

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An meinem letzten Tag widmete ich mich den ‚klassischen‘ Sehenswürdigkeiten und startete am frühen Morgen in unmittelbarer Nachbarschaft. Ich wohnte in ‚Little India‘ und konnte im Sri Veeramakaliamman Temple beobachten, wie Gläubige auf ihrem Arbeitsweg für ein Gebet einkehrten.

Disco Shiva. Sie blinkte in allen erdenklichen Farben.
Disco Shiva. Sie blinkte in allen erdenklichen Farben.

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In Chinatown besuchte ich den Budda Tooth Relic Temple, der – wie der Name schon sagt – einen Zahn Buddhas als Reliquie verwahrt. Zunächst machte das mehrstöckige Gebäude mit Dachgarten aus dem Jahre 2005 auf mich einen ungewohnten Eindruck. Ist man doch im Normalfall viel ältere und bescheidenere Tempel gewohnt. Hier wurde geklotzt. Die Baukosten betrugen ungefähr 40 Millionen Euro. Ein Großteil davon dürfte in Gold angelegt worden sein, mit dem der Tempel reichhaltig verziert wurde.

Die Hauptattraktion wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen und fuhr mit einem Fahrstuhl in den vierten Stock. Der vermeintliche Zahn Buddhas stammt angeblich aus einer in Myanmar eingestürzten Pagode. Die Echtheit soll inzwischen schon widerlegt worden sein. Der Zahn soll verdächtig nach dem von einem Tier aussehen. Für eine wissenschaftliche Begutachtung wird das gute Stück selbstverständlich nicht freigegeben.

Trotzdem: Die Atmosphäre dort hat mich sofort eingenommen. In einem hinter Panzerglas geschützten, prachtvoll geschmückten Raum, der nicht fotografiert werden durfte, wird das Heiligtum des Tempels in einer Stupa aus massivem Gold ausgestellt. Auch der Vorraum, in dem wir in einem Rundgang an der Panzerglasscheibe vorbeilaufen durften, war prachtvoll in rot-grün-gold Farben geschmückt. Gläubige und Touristen durchmischten sich und zu beiden Seiten der Reliquie wurden wunderschöne Plätze zum meditieren eingerichtet.

Und da es draußen wieder begann Sturzbäche zu regnen schnappte ich mir kurzerhand ein Kissen und meditierte mit anderen Gläubigen für eine gute halbe Stunde.

Das hat gut getan. Ob deshalb die Sonne wieder rauskam weiß ich nicht, aber so hatte ich doch noch Gelegenheit den Dachgarten zu bewundern. Die Lebensgeschichte Buddhas wurde sehr schön in einem Museum im zweiten Stock dargestellt. Sehr passend zu Singapur war dieser Tempel wohl der modernste, den ich je besucht habe.

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Merke: Buddha schützt vor Regen nicht
Merke: Buddha schützt vor Regen nicht

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Dachgarten
Dachgarten

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Auch ungewohnt, aber sympathisch war der Temple of 1000 Lights, in dem ein 15 Meter hoher sitzender Buddha gegen eine Spende seine Erleuchtung durch 1.000 Glühbirnen erfährt. In einer Seitenvitrine wird als Reliquie ein Stück Rinde des Baumes verwahrt, unter dem Buddha seine Erleuchtung erreicht haben soll. Ein Ableger des Baumes steht an der Originalstelle in Bodh Gaya, die ich auf dieser Reise noch besuchen werde.

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Das Herzstück des arabischen Viertels ist die 1928 eröffnete Sultan Moschee, deren goldene Kuppeln eingesäumt von Palmen wie aus einem Märchen wie 1001 Nacht wirkt.

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Gebetsraum
Gebetsraum

Drei Tage in Singapur waren definitiv zu wenig. Viele Attraktionen habe ich von vornherein schon von meiner Liste streichen müssen. Die Faszination von Marina Bay wollte ich voll auskosten. Das hat mich Zeit gekostet, die mir an anderer Stelle gefehlt hat. Auf jeden Fall möchte ich noch einmal zurückkehren.

Es stimmt, was man über Singapur sagt: Oft wird es als ‚Asien für Einsteiger‘ bezeichnet und dem kann ich nur zustimmen. Ursprüngliches Südostasien, wie man es vielleicht noch in Entwicklungsländern wie Myanmar oder Kambodscha, aber auch in Teilen Vietnams noch zu sehen bekommt, ist in Singapur in dieser Form sicher nicht mehr zu erleben. Die Stadt macht es aber denjenigen leicht, die sich an ‚Asien‘ nicht so wirklich ran wagen. Hier kann wenig passieren und ich kann es jedem wärmstens empfehlen.

2 Gedanken zu „Singapur“

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