DSCN7353

Buddhistische Keimzelle

Nach seiner Erleuchtung in Bodh Gaya zog Buddha los, um seine Lehren zu verbreiten. Seine ersten Anhänger unterrichtete er in Sarnath und begründete damit den Buddhismus.

Im Buddhismus gibt es vier wichtige Wallfahrtsorte. Eine kleine Geschichte in stark vereinfachter Kurzfassung:

Geboren wurde Buddha im Jahre 563 v. Chr. als Sohn des Königs von Kapilavastu unter dem Namen Siddharta Gautama. Sein Geburtsort Lumbini liegt in Nepal, nur wenige Kilometer nördlich der indischen Grenze.

Der Seher Asita prophezeite dem König, dass Siddharta ein großer heiliger Mann werden würde. Sehr zum Missfallen seines Vaters, der den Sohn als kriegerischen König in der Thronfolge sah. Um das Schicksal zu beeinflussen wies er an, dass Siddharta weder religiöse Unterweisungen erhalten, noch menschliches Leid zu Gesicht bekommen sollte.

Perfekt behütet wuchs Siddharta heran, heiratete mit 16 Jahren Prinzessin Yasodhara und wurde später Vater eines Sohnes.

Im Alter von 29 Jahren hat er seinen Vater um Erlaubnis gebeten, den Palast verlassen zu dürfen. Er argumentierte, dass er sein Volk kennenlernen müsse, wenn er es zukünftig regieren solle.

Auf diesen Ausfahrten in die vier Himmelsrichtungen begegnete Siddharta zum ersten Mal in seinem Leben menschlichem Leid und Tod. Er erkannte, dass Alter, Krankheit, Schmerz und Tod zum Leben dazugehören und Wohlstand und Reichtum davor nicht schützen können. Er realisierte, dass das Leben Leiden ist und wollte einen Ausweg dafür zu suchen. Er verließ den königlichen Hof und seine Familie und wurde zum Asket.

Sechs Jahre pilgerte er umher und übte sich in vielen Praktiken der damals verbreiteten Lehren. Auch in einer extremen Askese. Kurz vor dem Hungertod erkannte Siddharta jedoch, dass er auf dem falschen Weg war. Er beschloss seinen eigenen Weg zu suchen und übte sich in Meditation. Extreme würde er fortan ablehnen und den Weg des ‚mittleren Weges‘ begründen.

In Bodh Gaya saß Siddharta im Alter von 35 Jahren in einer Vollmondnacht unter einer Pappelfeige, dem heutigen Bodhi Baum, als er nach einer mehrtägigen Meditation seine Erleuchtung erfuhr und zu Buddha wurde. Die Prophezeiung des Sehers hatte sich erfüllt.

Die Erleuchtung zu beschreiben ist unmöglich. Sehr einfach gesagt: Siddharta erwachte aus dem Zustand des menschlichen Leidens und begriff, dass seine körperliche Existenz nicht sein wahres Ich sein kann. Hass, Begierde und Unwissenheit fielen von ihm ab. Er trat in einen höheren Bewusstseinszustand ein, begriff sich als Teil des Universums und erlangte inneren Frieden.

Zum ersten Mal lehrte Buddha in Sarnath. Er unterwies fünf ehemalige Weggefährten, die zu seinen ersten Anhängern wurden. Der Buddhismus wurde dadurch an diesem Ort begründet.

Die Grundlage der buddhistischen Lehre bilden die vier edlen Wahrheiten, die von der Deutschen Buddhistischen Union folgendermaßen interpretiert werden:

  1. Das Leben im Daseinskreislauf ist letztendlich leidvoll
  2. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung
  3. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden
  4. Zum Erlöschen des Leidens führt der ‚Edle Achtfache Pfad‘

Der ‚Edle Achtfache Pfad‘ beschreibt die rechte Ansicht, das rechte Denken, die rechte Rede, die rechte Handlung, den rechten Lebenserwerb, die rechte Anstrengung, die rechte Achtsamkeit und die rechte Konzentration.

Über 84.000 verschiedene Belehrungen soll Buddha gegeben haben bevor er 80jährig in Kushinagar verstarb. Durch seine Erleuchtung war sein Kreislauf der Wiedergeburten durchbrochen und er ging ins Nirvana ein.

Etwa 250 Jahre später konvertierte der indische König Ashoka im Jahre 258 v. Chr. zum Buddhismus. Er ließ Tempel und Klöster errichten und stellte im ganzen Land die ‚Säulen des Ashoka‘ auf, deren Inschriften die Konversion des Königs zum Buddhismus verkündeten. Außerdem würde sich Ashoka bemühen die Lehre zu verbreiten und seine Politik darauf auszurichten.

Neben dem Mahabodhi Tempel, am Ort der Erleuchtung in Bodh Gaya, ließ König Ashoka auch in Sarnath eine 100 Meter hohe Stupa und Klöster errichten. Es gibt Berichte von Zeitzeugen, die die Klöster mit 1.500 Mönchen beziffern. Wie viele andere buddhistische Stätten in Indien wurde auch diese im 12. Jahrhundert durch muslimische Truppen unter dem Eroberer Qutbuddin Aibak zerstört und geriet in Vergessenheit. Erst im frühen 19. Jahrhundert wurde sie durch eine britische Initiative wieder entdeckt und eine Restaurierung angestoßen.

Heute ist Sarnath eine Pilgerstätte. Die 34 Meter hohe Dhamekh Stupa aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. markiert den Ort, an dem Buddha seine ersten Schüler unterrichtet haben soll. Um sie herum ziehen sich weitläufig die Grundmauern der ehemaligen Klosteranlage.

DSCN7381

DSCN7353
Dhamekh Stupa mit Grundmauern der Klosteranlage

DSCN7334

Grundmauern der Dharmarajika Stupa
Grundmauern der Dharmarajika Stupa
DSCN7346
Überreste der Säule des Ashoka.

DSCN7342

Etwas moderner Gigantismus schadet nie und so steht auf der anderen Straßenseite eine 25 Meter hohe Buddha Statue und wacht über seine erste Wirkungsstätte.

DSCN7390

Wir sind das, was wir denken.
Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken.
Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.
Sprich und handle mit reiner Gesinnung
und Glück wird dir folgen
wie dein unteilbarer Schatten.

(Buddha)

 

5 Gedanken zu „Buddhistische Keimzelle“

  1. Hallo Kim. Was für ein weiterer toller Ausschnitt Deiner Reise. Ich bin schon sehr beeindruckt, wie Du es immer wieder schaffst, Deinen spannenden und sehr anschaulichen Zeilen so schöne Bilder zuzufügen. Das passt einfach alles. Respekt, mein Guter. Tolle Leistung – in jeder Hinsicht. Sei behütet.

Kommentar verfassen