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Langkawi

Mein erstes Weihnachtsfest in sommerlicher Hitze, erholsame Erfahrungen im Meer, Panikattacken in luftiger Höhe und der Rutsch ins neue Jahr auf einer dekadenten Party an einem tropischen Traumstrand… Langkawi. 

Unsere Reise auf die malaysische Insel ‚Langkawi‘ verdanken wir einem glücklichen Zufall. Ich philosophierte laut im Büro über meine Pläne Weihnachten und Silvester zum ersten Mal in der Sonne verbringen zu wollen. Uwe und ich hatten uns vorgenommen unserem geliebten Vietnam wieder einen Besuch abzustatten. Eine Arbeitskollegin fragte mich, warum wir nicht mal etwas anderes ausprobieren wollen, zum Beispiel Langkawi.

Ich gestehe, ich musste erstmal nachsehen, wo diese Insel überhaupt liegt. Langkawi gehört zu Malaysia und liegt an der Grenze zu Thailand. Ich habe ein bisschen weiter recherchiert und stieß auf traumhafte Bilder. So schlug ich Uwe dieses neue, alternative Reiseziel vor und auch er war gleich Feuer und Flamme.

Wir hatten mit unserer Entscheidung dieses Jahr auch mächtig Glück, denn unser ursprüngliches Reiseziel Vietnam, insbesondere die Küstenabschnitte an die wir reisen wollten, durchleben zur Zeit eine gewaltige Naturkatastrophe. Es regnet und stürmt viel zu viel. Die Regenzeit hätte eigentlich längst abgeklungen sein müssen. Durch Überschwemmungen und Erdrutsche sind schon Dutzende von Menschen ums Leben gekommen und ganze Regionen von der Außenwelt abgeschnitten. Eine furchtbare Tragödie, die sich bis zu den populären Urlaubsinseln nach Südthailand rüberzieht.

Langkawi

Während meiner Aufenthalte in Kuala Lumpur und George Town befürchtete ich für unseren Badeurlaub das Schlimmste. Mindestens einmal täglich regnete es Sturzbäche und in George Town sogar einen ganzen Tag durch. Die Tatsache, dass Langkawi de facto in einer völlig anderen Klimazone liegen soll beruhigte mich nur bedingt.

Die Insel liegt im Indischen Ozean, im nördlichen Bereich der Straße von Malakka, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Thailand entfernt. Hier herrscht tropisches Monsunklima, während im Rest der west-malaysischen Halbinsel tropisches Regenwaldklima herrscht, das geprägt ist von häufigen, ganzjährigen Niederschlägen.

Wir hatten Glück. Über die Tage dominierte das sommerliche Wetter und ich konnte in einer wunderbaren Anlage mit einem Zimmer mit Blick aufs Meer erholsame Tage verbringen. Das ein oder andere Tropengewitter tat dem Ganzen kein Abbruch, sondern ließ sich hervorragend auf der überdachten Veranda genießen.

Uwe kam erst am 26. Dezember dazu, so dass ich Heilig Abend auf mich allein gestellt war. Wir machten uns im Vorfeld Gedanken, ob wir im muslimisch geprägten Malaysia überhaupt etwas von Weihnachten wahrnehmen würden. Ich war sehr überrascht, dass im ganzen Land ein wahres Wettrüsten mit festlicher Dekoration stattfand. Von der Dauerbeschallung mit traditionellen und zeitgenössischen Weihnachtsliedern ganz zu schweigen. So gab es auch hier am Strand das ein oder andere Dekohighlight, spezielle Weihnachtscocktails und festliche Menüs. Und trotzdem… bei tropischen Temperaturen und Meeresrauschen mag irgendwie nicht so richtig Weihnachtsstimmung aufkommen. Das ist natürlich ein Luxusproblem. Auf das Meer könnte ich stundenlang schauen und zum Sonnenuntergang wurde die Atmosphäre magisch.

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So sieht Weihnachten unter Palmen aus
So sieht Weihnachten unter Palmen aus

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In der Hotellobby wurde aufgefahren
In der Hotellobby wurde aufgefahren
Auch der Puter blieb nicht verschont. Mit Glitzertanne.
Auch der Puter blieb nicht verschont. Mit Glitzertanne.

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Mein Zimmer...
Mein Zimmer…
...mit Blick aufs Meer.
…mit Blick aufs Meer.
Abendstimmungen
Abendstimmungen

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In der Anlage wimmelte es nur so von Tieren, die keine Scheu hatten uns beim Entspannen Gesellschaft zu leisten. Unseren Eidechsen Freund ‚Fridolin‘ trafen wir täglich, die Tropenvögel kannten keine Scheu und ließen sich schon mal auf unseren Sonnenliegen nieder. Ein beeindruckender, riesiger Schwarm Libellen hing ständig über uns in der Luft. Aber auch kleine Krebse tauchten ab und an aus dem Sand auf und im klaren Meerwasser umkreisten uns beim Baden die Fische.  Die Insel weist eine enorme Artenvielfalt auf, da (noch) über die Hälfte mit tropischem Regenwald bedeckt ist, der mit seinem Alter von etwa 130 Millionen Jahre zu den ältesten der Erde zählt.

Libellenschwärme
Libellenschwärme
War täglich bei uns: Fridolin
War täglich bei uns: Fridolin

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Die Tropenvögel sind herrlich frech und gar nicht schüchtern
Die Tropenvögel sind herrlich frech und gar nicht schüchtern
Roter Rauch. Sieht bedrohlich aus, ist es auch. Die wöchentliche Insektizid Wolke.
Roter Rauch. Sieht bedrohlich aus, ist es auch. Die wöchentliche Insektizid Wolke.

Der Ozean trug mich. Der Körper lag im erfrischend kühlen Wasser und die Sonne schien mir wärmend ins Gesicht. Wenn ich die Augen öffnete sah ich in einen wundervoll blauen Himmel mit weißen Wolken. Ein unglaublich intensiver Moment – fast eine spirituelle Erfahrung von den Naturgewalten getragen zu werden. Und ein Moment der größtmöglichen Entspannung, den Worte eigentlich nicht beschreiben können.

Skybridge Langkawi

Ganz und gar nicht entspannend war eine der höchsten Fußgängerbrücken der Welt. Ich hatte viele Bilder der Skybridge Langkawi gesehen und für uns stand fest, dass wir sie unbedingt überqueren wollten.

Mir war bis kurz vor unserem Ausflug jedoch nicht bewusst, dass wir zwingend eine Fahrt mit einer Seilbahn auf den 709 Meter hohen ‚Gunung Mat Cincang‘, dem zweithöchsten Berg der Insel in Kauf nehmen müssen.

Ich hab eine ziemlich ausgeprägte Höhenangst in manchen Bereichen. Hohe Gebäude stellen für mich kein Problem dar. Die Aussichtsplattformen befinden sich meist in geschlossenen Räumen oder die Geländer sind so hoch, dass überhaupt nichts passieren kann. Gibt es jedoch irgendwo offensichtlich keine Absicherung wird es hochproblematisch. Und einen absoluten Horrorstatus haben Seilbahnen.

Meine letzte, sehr traumatische Erfahrung mit einer Seilbahn ist 10 Jahre her. Damals fuhr ich auf den Gipfel der Zugspitze. Vor zweieinhalb Jahren hatte ich eine mittelschwere Panikattacke in einem Riesenrad in Osaka. Aber nun waren wir hier und ich ging todesmutig an die Kasse und löste unsere Tickets. Wir waren extra früh aufgestanden um den großen Touristenansturm zu umgehen und um wenigstens ein bisschen Fernsicht genießen zu können, bevor es sich vor lauter Hitze wieder zuzog.

Was soll ich sagen… es war furchtbar. Mit den besten Vorsätzen stieg ich mit Uwe in die Gondel. Wir saßen zusammen mit einem malaysischen Ehepaar und zwei kleineren Kindern. Der Vater war genau so angespannt wie ich und ich betete, dass die Kinder nicht anfangen würden in der Gondel rumzuturnen.

Zuerst filmte ich noch unsere Fahrt und hatte das Gefühl durch den Sucher der Kamera genug Abstand zur Realität zu haben. Aber der Wind wurde stärker und stärker je höher wir aufstiegen und irgendwann sah ich mich vor meinem inneren Auge schon seitlich aus der Tür hinausfallen und mehrere hundert Meter in die Tiefe stürzen. In Bruchteilen von Sekunden gingen mir alle möglichen Szenarien durch den Kopf. Die Tatsache, dass kürzlich in einem Skigebiet eine Seilbahn stehengeblieben war und die Menschen in einer mehrstündigen Rettungsaktion mit Hubschraubern aus den Gondeln herausgeholt werden mussten trug nicht zu meiner Laune bei. Uwe versuchte mich mit der Tatsache zu beruhigen, dass die Bahn von einem Unternehmen aus der Schweiz konstruiert wurde. Ohne Erfolg.

Es war der ideale Zeitpunkt meine Meditationserfahrung auszutesten. Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich ganz auf meine Atmung. Ich konnte an der gegenwärtigen Situation nichts ändern. Aussteigen war unmöglich. Ich musste es aussitzen.

Mein Glück lebend oben angekommen zu sein war nur von kurzer Dauer, denn wir stellten fest, dass wir in eine zweite Seilbahn umsteigen mussten um die Brücke zu erreichen. Aber dann war es endlich geschafft.

Einstieg. Hier ist noch alles in Ordnung.
Einstieg. Hier ist noch alles in Ordnung.
Hoch auf die erste Station in 650 Metern Höhe
Hoch auf die erste Station in 650 Metern Höhe

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Unten sieht man unseren Ausgangspunkt
Unten sieht man unseren Ausgangspunkt

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Mit der zweiten Seilbahn auf den Gipfel des zweithöchsten Berges der Insel in 709 Metern Höhe
Mit der zweiten Seilbahn auf den Gipfel des zweithöchsten Berges der Insel in 709 Metern Höhe

Die Skybridge ist eine geschwungene Schrägseilbrücke, die von einem 82 Meter hohen Pylon getragen wird. Sie ist 125 Meter lang, hat eine Breite von 1,80 Metern. Das Geländer der Brücke ist für meine Höhenangst grenzwertig. Es ist zwar hoch genug, aber optisch sehr offen gestaltet.

Egal. Jetzt wo ich die Seilbahn überlebt hatte war der Zeitpunkt gekommen die Brücke wenigstens einmal in voller Länge zu überqueren und wieder zurückzulaufen. 250 Meter Mutprobe. Auf einer Brücke die im Wind schwankte. 100 Meter über dem Abgrund.

Um die Glasbausteine im Boden mit Blick nach unten machte ich einen größtmöglichen Bogen. Ich bemühte mich so gut wie möglich einige Fotos zu machen und die Aussicht zu genießen.

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Man kann mir die Anspannung ansehen
Man kann mir die Anspannung ansehen
Uwe ist dagegen tiefenentspannt
Uwe ist dagegen tiefenentspannt

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Fast geschafft!
Fast geschafft!

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Blick in die Tiefe
Blick in die Tiefe

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Und nochmal der Blick von oben: die gesamte Skybridge
Und nochmal der Blick von oben: die gesamte Skybridge

Unsere Fahrt nach unten war weniger schlimm. Mir war bewusst, dass jede Sekunde mich weiter zurück zu unserem Ausgangspunkt brachte. Außerdem schloss ich meine Augen sofort nach Betreten der Gondel und diskutierte mit Uwe über Auswüchse in der Tourismusindustrie.

Die Neujahrsüberraschung

Als ich in unserem Strandhotel eincheckte wies man mich auf die Silvesterparty des Hauses hin, die mir mit 150 Euro Eintritt doch etwas überteuert erschien. Getränke nicht inbegriffen. Ich schloss mich mit Uwe kurz und wir beschlossen dieses Angebot auszuschlagen und stattdessen in einem Restaurant im Ort etwas zu essen und anschließend auf unserer Veranda oder am Strand auf das Feuerwerk zu warten.

Irgendwann kam mir die Idee im Hotelrestaurant nachzufragen, ob wir Silvester dort à la carte essen könnten. Ich hatte dort schon Heilig Abend verbracht und die Silvesterparty sollte im Strandrestaurant direkt am Meer stattfinden.

Ich wollte das sofort klären aus Angst, das Restaurant könnte ausgebucht sein und erlebte eine echte Überraschung. Die Mitarbeiter blätterten in einer Liste meinen Namen auf und fragten mich, warum ich nicht zur Silvesterparty am Strand gehen wolle. Ich meinte die Party sei mir zu teuer und erhielt als Antwort, dass selbige doch bereits in meiner Buchung inbegriffen sei und ich nichts extra bezahlen müsse.

Ich konnte das nicht so recht glauben und sagte, dass ich davon nichts wüsste. Man verwies mich an die Rezeption und die Mitarbeiterin dort griff zum Telefonhörer und vergewisserte sich. Tatsächlich! Man bestätigte mir, dass die Party für Uwe und mich ohne Extrakosten im Preis inbegriffen sei und bat mich einen Tisch auszusuchen und hielt mir eine Buffetkarte unter die Nase, die ich nur als unverschämt dekadent bezeichnen kann.

Ich wählte einen Tisch direkt am Wasser und möglichst weit weg von der Bühne und eilte zurück zu Uwe, der noch nichts ahnend auf einer Liege am Strand vor sich hin döste. Als ich ihm erzählte was gerade passiert war reagierte er zunächst genau so misstrauisch wie ich. Er eilte zur Rezeption, da er seine Anmeldung selbst unterschreiben musste und kehrte genau so glücklich wie ich zurück.

Mit den Aufbauarbeiten wurde schon Tage vorher begonnen
Mit den Aufbauarbeiten wurde schon Tage vorher begonnen
Unser Tisch (der hintere) direkt am Meer
Unser Tisch (der hintere) direkt am Meer

Gegen 19 Uhr pilgerten wir los um in dieser fantastischen Atmosphäre die letzten Stunden des Jahres einzuläuten. Die Speisekarte hatte nicht zu viel versprochen. Es wurde ordentlich aufgetischt und das so reichhaltig und für so viele Geschmäcker, dass man Schlaraffenland ähnliche Verhältnisse nicht mehr verleugnen konnte.

Eine riesige Auswahl an Salaten, Suppen, Meeresfrüchten auf Eis und gegrillt, Suppen, Käse, kaltem Aufschnitt und gegrilltem Fleisch, Pasta und Desserts erschlug uns regelrecht. Es gab asiatisches gewürztes Rindfleisch, arabisch angerichtetes Lamm, englisches Rib Eye Steak, chinesische Peking Ente, italienische Pasta mit Tomatensauce, norwegischen Lachs, spanische Paella und so ganz nebenbei weitere Einflüsse aus der indischen, thailändischen und jeder sonst noch erdenkbaren Küche.

Alleine die Dessertauswahl verlangte starke Nerven. Wer soll sich schon zwischen Grüntee-Tiramisu, Kokosnuss-Cashew Pudding oder Apfel-Pflaumen-Frühlingsrolle entscheiden?

Unser Tisch 53. Die obligatorischen Partyhüte dürfen nicht fehlen.
Unser Tisch 53. Die obligatorischen Partyhüte dürfen nicht fehlen.

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Meeresfrüchte auf Eis
Meeresfrüchte auf Eis

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Peking Ente
Peking Ente
Der Schokoteufel wartet am Dessert Buffet
Der Schokoteufel wartet am Dessert Buffet

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Das komplette Menü
Das komplette Menü (anklicken zum Vergrößern)

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Nach dem Essen zogen wir uns erstmal vom Partygeschehen zurück. Es war zu eng, zu voll und zu laut. Die malaysischen Animateure haben alles gegeben und ein aufgedrehtes Programm dargeboten. Von schwungvollen Volkstänzen, fragwürdigen Rapeinlagen bis hin zu ‚Hooray Hooray it’s a holi-holiday‘ wurde alles geboten. Pünktlich zum Jahreswechsel sind wir zurückgekehrt und haben selbigen erfolgreich über facebookLIVE an unsere Freunde übertragen. Unglaublich, was Technik heute vermag.

Weihnachten und Silvester in tropischer Hitze zu verbringen waren für mich eine komplette neue Erfahrung. So richtig in Stimmung bin ich tatsächlich nicht gekommen. Eine frühere Kollegin von mir ist vor 20 Jahren nach Australien ausgewandert und meinte kürzlich, dass sie seitdem kein richtiges Weihnachtsfest mehr gehabt hätte. Ich weiß jetzt, was sie meint.

Und mit dem Jahr endete auch meine Malaysia Reise. Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg nach Singapur.

4 Gedanken zu „Langkawi“

  1. Lieber Kim, lieber Uwe, ich wünsche Euch beiden ein gesundes und spannendes 2017. Geniesst die restliche traumhaft-schöne Zeit und kommt gesund und munter wieder zurück ins kalte Europa 🙂

  2. Hallo lieber Kim, mit Interesse habe ich wieder mal deine fantastische Reisebeschreibung gelesen. Beneidenswert was du mit deinem Freund Uwe alles erlebt und in Anbetracht deiner Höhenangst auch überlebt hast. Ich wünsche dir, dass es in 2017 mindestens so glücklich für dich läuft wie im vergangenen Jahr. Alles Gute für dich und lass mich auch weiterhin an deinen Reisen teilhaben.
    Ganz liebe Grüße
    Erika Schultheis

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