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GOLD

Mit Tausenden von Gläubigen pilgerte ich zu einem ihrer größten Heiligtümer und fand mich plötzlich mit fünfzig Burmesen auf der Laderampe eines Kleinlasters wieder. Ein abenteuerlicher Ausflug zum ‚Goldenen Felsen‘ in Kyaikhtiyo.

„Fahren Sie nicht am Sonntag“, riet mir die freundliche Dame an der Rezeption meines Hotels. „Es ist Feiertag und es sind sehr viele Menschen dort. Am Montag ist es ruhiger.“ Dass sie mit dieser Aussage bei mir genau das Gegenteil bewirkte konnte die gute Frau ja nicht ahnen. Insbesondere religiöse Stätten, und der Goldene Felsen gehört zu den heiligsten buddhistischen Stätten Myanmars, leben doch erst durch die Gläubigen und deren Energie die dort herrscht. An einen menschenleeren Montag hatte ich nicht das geringste Interesse.

Ich war sehr froh, dass sich mein Traum von einem Besuch am Goldenen Felsen relativ problemlos in die Tat umsetzen lies. Ich konnte den Ausflug bequem an der Hotelrezeption buchen. Bis vor einigen Jahren benötigten Ausländer sogar noch eine Sondergenehmigung der Regierung.

Um 7.30 Uhr wurde ich von meinem Fahrer am Hotel abgeholt, der kurzerhand seine Freundin zu unserem Ausflug mitgebracht hatte. Mit der burmesischen Pop Version von ‚Ein Schiff wird kommen‘ im Autoradio starteten wir zu unserer dreieinhalbstündigen Überlandfahrt, die uns zum Teil über den legendären AH1 – dem Asian Highway No. 1 – führte.

Und da gab es einiges zu bestaunen. Während der gesamten Strecke entdeckte ich immer wieder die Spitzen goldener Pagoden; am Straßenrand eines Autobahnabschnittes picknickten Menschen und ich fragte mich sowohl wie sie dorthin gekommen waren, als auch warum man direkt neben der Fahrspur sitzen möchte; immer wieder überholten wir überfüllte Busse an denen Burmesen noch außen an Türen und Fenstern hingen und weitere 30 Personen auf dem Dach saßen und die Fahrzeuge die mit einer Panne liegengeblieben waren gingen in die Dutzende. Fischer warfen ihre Netze im Fluss aus, Bauern zogen mit Ochsenkarren vorbei und ich traute meinen Augen nicht, als wir plötzlich einen Elefanten überholten.

Etwas durchgeschüttelt erreichten wir das sogenannte Basislager. Neben einigen Restaurants, vielen Geschäften und wenigen Übernachtungsmöglichkeiten gibt es hier vor allem eine Art LKW Bahnhof. Den Rest des Weges muss man nämlich entweder zu Fuß (10 Kilometer) oder mit einer der unzähligen Kleinlaster, deren Laderampen mit 7 Sitzreihen bestückt wurde, in die wiederum jeweils 7 Personen Platz nehmen sollen, zurücklegen.

Meine Rezeptionistin hatte nicht zuviel versprochen. Es ging turbulent zu. Tausende von Burmesen wollten auf den Berg. Hektisch und laut durch die Halle schreiend teilten Platzanweiser die Kunden den LKWs zu. Und so fand ich mich plötzlich mit über 50 Burmesen (Kinder saßen auf den Schößen der Eltern) eng zusammengepfercht auf einer Laderampe wieder. Als alle saßen wurde der Fahrpreis einkassiert. Hierfür hangelte sich ein junger Mann mit einem Geldbündel akrobatisch außen am Fahrzeug entlang und versuchte festzustellen wer mit wem zusammengehört und wer wieviel bezahlen muss.

Mit Kindern sitzen manchmal 50 Personen auf der Ladefläche
Mit Kindern sitzen manchmal 50 Personen auf der Ladefläche
Beengte Sitzverhältnisse
Beengte Sitzverhältnisse

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Die Fahrt auf den Berg war atemberaubend. Sie führte uns durch wunderschöne Natur, schaukelte uns durch wie eine Achterbahn und der Fahrtwind sorgte für eine kleine Erfrischung in der brütenden Mittagshitze. Viele Abschnitte des Weges sind nur einspurig befahrbar. Durch ein ausgeklügeltes System parkten wir immer in extra vorgesehenen Stops, um zu Warten bis die Fahrzeuge, die bereits wieder auf dem Rückweg waren, uns passiert hatten. An unseren Wartepunkten wurden von Mönchen Spenden gesammelt oder von Straßenhändlern Wasser verkauft. Nach gut 45 Minuten hatten wir die Spitze erreicht und das letzte Stück legten wir zu Fuß zurück.

 

Wer möchte kann sich mit einer Sänfte tragen lassen
Wer möchte kann sich mit einer Sänfte tragen lassen

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Ein erster Blick auf den Felsen
Ein erster Blick auf den Felsen
Der Eingang zur Kyaikhtiyo Pagode. Ab hier heißt es wieder barfuß weitergehen.
Der Eingang zur Kyaikhtiyo Pagode. Ab hier heißt es wieder barfuß weitergehen.

Und da war er dann endlich. In nächster Nähe. Wie schon bei der Sule Pagode und der Shwedagon Pagode besagt die Legende, dass auch dieser Wallfahrtsort bereits zu Lebzeiten Buddhas entstanden sei. Ein Haar Buddhas in der Stupa auf dem Felsen soll ihn so ausbalancieren, dass er nicht in die Tiefe stürzt.

Mein Fahrer und ich kauften Blattgold, um es am Felsen anzubringen. Das soll Glück bringen. Frauen dürfen die heilige Stätte nicht berühren, so dass unsere Begleitung sich vor dem Felsen zum Gebet niederließ.

Es war ein großartiges Gefühl plötzlich direkt davor zu stehen. Ich bemühte mich auf dem felsigen Boden nicht das Gleichgewicht zu verlieren und öffnete vorsichtig mein kleines Päckchen mit Blattgold. Immer wieder wurden die achtlos weggeworfenen Trennblätter zwischen uns vom Wind hochgewirbelt. Als ich etwas ungeduldig und zittrig versuchte das Blattgold der Packung zu entnehmen und es nicht ganz zu fassen kriegte, mahnte mich mein Fahrer zu mehr Ruhe.

Er hatte Recht. Schließlich war das ein besonderer Augenblick. Ich schloss die Augen, atmete einmal tief durch und genoss das Hier und Jetzt.

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Ich bringe das Blattgold am Felsen an. Ein besonderer Moment.
Ich bringe das Blattgold am Felsen an. Ein besonderer Moment.
Die Mönche wollten ein Foto mit mir. Nicht umgekehrt. :-)
Die Mönche wollten ein Foto mit mir. Nicht umgekehrt. 🙂

Tipps zum Besuch des Goldenen Felsen ab Rangun

  • Nahezu jeder Taxifahrer in Rangun bietet auch Fahrten zu entfernteren Destinationen an. Mein Tagesausflug hat $100 gekostet. Jedoch wurden davon sämtliche Gebühren, Fahrtkosten und Eintrittsgelder von meinem Fahrer bestritten. Und das waren nicht wenige. Wir haben auf der 3,5stündigen Fahrt bspw. mehrmals Maut entrichtet. Bei der Buchung auf jeden Fall fragen, ob diese Ausgaben im Preis inbegriffen sind und ob es sich um ein klimatisiertes Fahrzeug handelt
  • Eine einheimische Begleitung ist empfehlenswert um bei großem Andrang schneller ans Ziel zu kommen. Mein Guide hat mich sicher durch den Tag gelotst. Bei der Rückfahrt kam es bei den Kleinlastern gar um Rangeleien um Sitzplätze. Während die gerade ankommenden Fahrgäste gerade über die bereitgestellte Treppe ausstiegen, stürmten die Burmesen die andere Seite der Ladefläche und kletterten einfach ohne Leiter hinauf. Meine Begleiter zogen mich mit und bedeuteten mir, es allen anderen gleich zu tun. So stürzte ich mich in die burmesischen Mini Massenpanik, warf meinem Fahrer, der bereits oben war, meine Tasche zu und schwang mich eher weniger elegant, aber sportlich auf meinen Sitzplatz.
  • Wie bei allen Tempeln ist auch hier auf dezente Kleidung zu achten. Keine Shorts, keine Shirts ohne Ärmel. Schuhe und Socken sind am Haupteingang auszuziehen. Sonnenschutz, Trinkwasser und Kopfbedeckung nicht vergessen.
  • Trinkwasser und Sonnenhüte können im Basislager zur Not gekauft werden
  • Blattgold gibt es direkt gegenüber vom Felsen zu kaufen. 5 Blättchen kosten 1.750 Kyat (1,70 €) (Stand 31.03.15)DSCN8467
  • Von Rangun aus muss man gute 12 Stunden für den Ausflug einplanen. Wer mehr Zeit einplanen kann, und den Fels bei Sonnenaufgang und -untergang sehen möchte muss zwangsläufig auf dem Berg übernachten. Auf halber Strecke kann man in Bago u.a. eine der größten liegenden Buddha Statuen der Welt besichtigen.
  • Obwohl von allen Seiten fotografiert und gefilmt wird, darf man keine Kameras und Mobiltelefone direkt mit zum Felsen nehmen. Als wir eine Sicherheitsschleuse passierten wurden wir auf vorhandene Geräte abgetastet.

3 Gedanken zu „GOLD“

  1. Ach du lieber Schreck – Ich stelle mir jetzt schon vor, wie ich das hinkriege mit dem elegant auf ueberfuellte Laster schwingen… Oj veh! Und ich darf als Frau kein Gold anbringen? Das ist aber schade. Wo kommt dieser Sexismus her? Vielen Dank, Kim, fuers Schreiben!

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