Die historische Altstadt und die kulturelle Vielfalt von George Town auf der Insel Penang wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Seit einigen Jahren ist die Stadt zusätzlich ein Mekka für Straßenkunst.
Eine vierstündige, traumhafte Zugfahrt durch dicht bewachsene, tropische Palmenhaine brachte mich meinem nächsten Ziel näher. Und so wundervoll die Zugfahrt auch war, das letzte Stück meiner Anreise erwies sich als einzige Tortur.
Am Bahnhof Butterworth wurden wir schon von Taxifahrern in Empfang genommen, die sich anboten uns über die Penang Brücke in unsere Hotels zu fahren. Wie die meisten anderen Fahrgäste zog ich es jedoch vor mit der Fähre auf die Insel überzusetzen im festen Glauben mit 40 Cent Fahrpreis ein echtes Schnäppchen geschlagen zu haben.
Auf der anderen Seite angekommen fing es jedoch an in Strömen zu regnen und es lies sich partout kein Taxifahrer finden, der bereit gewesen wäre mich in mein Hotel zu fahren. Ich vermute sie warteten auf die Fahrgäste der nächsten Fähre, die zum Teil längere Strecken anfragten als eine kleine Tour in der Innenstadt.
Ich fragte mich am Bus Terminal durch. Der Busfahrer der Linie, die mir dort empfohlen wurde, meinte jedoch, er würde die von mir gewünschte Haltestelle gar nicht anfahren und empfahl mir eine andere Linie. Völlig entnervt machte ich mich schon auf den Weg die Strecke zu Fuß zu gehen, aber der nächste Schwall Tropenregen ließ mich wieder umkehren.
Irgendwann saß ich auf meiner Tasche vor Bus Nummer 10, dessen Fahrer weit und breit nicht zu sehen war. Als er endlich auftauchte schilderte ich ihm mein Problem und er nickte eifrig und winkte mich herein. Völlig durchnässt ließ ich mich auf meinen Sitz fallen und hoffte nur mir nicht den Tod zu holen, denn die Klimaanlage wurde eingeschaltet und pustete mich mit eiskaltem Wind ab.
Zur Sicherheit verfolgte ich die Strecke die wir fuhren auf meinem iPhone. Irrfahrten habe ich in meinem Leben schon einige erlebt und für heute war mein Bedarf gedeckt. Ich wollte nur noch eine Dusche, was zu Essen und ein Bett.
Der Weg von etwa drei Kilometern hat durch das Verkehrschaos in George Town fast 45 Minuten in Anspruch genommen (vermutlich wollte sich auch deshalb kein Taxifahrer darauf einlassen) und als ich den Kühlschrank an meiner Wunschhaltestelle wieder in die tropische Schwüle verließ lag noch ein kleiner Fußmarsch vor mir.
George Town
Am nächsten Tag sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Ich hatte wahnsinniges Glück mit dem Wetter. Ein strahlender Sonnentag lud mich zum ausgiebigen Erkunden ein.
Der Stadtkern von George Town wurde zusammen mit der südlich von Kuala Lumpur gelegenen Stadt Melaka von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. 500 Jahre Geschichte kann man in den alten Straßenzügen lesen. Einflüsse der portugiesischen, holländischen und britischen Kolonialzeiten sind ebenso erkennbar wie Einflüsse aus Indien und China. Hier herrscht eine religiöse Vielfalt auf kleinstem Raum und echtes multikulturelles Leben mitsamt seiner Bräuche.
Im Jahre 2012 schuf der litauische Künstler Ernest Zacharevic für das George Town Kulturfestival einige Installationen in denen er Graffitikunst mit echten Gegenständen verschmolz. Diese Arbeiten erhielten weltweite Aufmerksamkeit und ließen George Town zu einem Mekka für Straßenkunst-Fans werden. Fortan sollte es viele Nachahmer geben, die sich an mehr oder weniger gelungen Kunstwerken versuchten. Aber auch Geschäfte und Hotels nutzen den Trend und lassen ihre Gebäude mit passenden Motiven verschönern. Die meisten Werke in der Altstadt lässt die Stadtverwaltung jedoch nicht durchgehen und entfernt sie wieder.
Diese völlig einmalige Mischung einer multikulturellen Straßenkunstweltkulturerbestadt lässt sich anstatt mit Worten besser in Bildern ausdrücken.
Eine nur kleine Auswahl der schier unglaublichen Anzahl von Kunstwerken. Die klassische Sehenswürdigkeiten von George Town sollen vor lauter Kunst natürlich nicht unterschlagen werden:
Kek Lok Si Tempel
In dem Vorort Air Itam liegt der Kek Lok Si Tempel, ein chinesisch-buddhistischer Tempel mit dessen Bau 1890 begonnen wurde und der heute noch ständig erweitert wird. Er ist der größte buddhistische Tempel Malaysias und einer der größten in Südostasien. Als ich dort eintraf waren die Vorbereitungen für das chinesische Neujahrsfest in vollem Gange. Unzählige Laternen schmückten den Tempel. Der Anblick wenn diese zum Leuchten gebracht werden muss atemberaubend sein. Der Kek Lok Si Tempel liegt an einem Hang und ist inzwischen ein kleines Buddha Wunderland geworden. Über mehrere Ebenen gelangt man in unzählige Räume, die prachtvoll geschmückt sind. Vorläufiger Höhepunkt der Baumaßnahmen ist die 2002 eingeweihte 30 Meter hohe Statue der Göttin des Mitgefühls Kuan Yin, über die man zum Schutz in den darauffolgenden Jahren noch einen Pavillon errichtet hat.
Die meisten von Euch wissen ja bestimmt, dass Buddhisten versuchen durch Meditation die Erleuchtung zu erlangen, um dadurch den Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen und Erlösung im Nirvana zu finden… aber anscheinend scheint es in den Seitenstraßen des Kek Lok Si Tempels eine Abkürzung zu geben… anders kann ich mir dieses Schild nicht erklären…
Love those bicycles and motorbikes with painted drivers. And I love the idea of street art coexisting with historical monuments, or as is the case in Detroit: coexisting with decay. It’s a win-win situation.