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Angkor

Im Dschungel Kambodschas zeugen über 1.000 Tempel von einem vor Jahrhunderten untergegangenen Königreich. Und geben dabei immer noch spannende Rätsel auf. Warnung: dieser Beitrag enthält eine Bilderflut.

Angkor haftet immer noch etwas Mysteriöses an. Riesige, zum Teil über 1.000 Jahre alte Tempel zeugen im Dschungel von Kambodscha von einem untergegangenen Königreich. Und nach vielen weiteren wird noch geforscht. Nachdem man auf Luftaufnahmen der Nasa ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem entdeckt hat, das wesentlich größer ist als man es je für möglich gehalten hätte, schätzt man, dass im Großraum Angkor über 1 Millionen Menschen auf etwa 1.000 km² gelebt haben könnten. Damit wäre Angkor im 14. Jahrhundert schon größer gewesen als das heutige New York City.

Wie genau die Menschen dort lebten und was der Grund dafür war ihre Städte zu verlassen, ist nicht bekannt. Aufzeichnungen haben das tropische Klima nicht überlebt. In Vergessenheit geraten, wie es oft dargestellt wird, ist Angkor bei den Khmer jedoch nie. Angkor Wat, die größte religiöse Stätte der Welt war durch die Jahrhunderte immer Pilgerstätte geblieben.

Das Missverständnis der ‚Wiederentdeckung‘ entstand durch die Veröffentlichung eines Buches des französischen Forschers Henri Mouhot im Jahre 1868. Er machte sich 1860 auf die Reise nach Kambodscha. Durch seinen mit vielen Zeichnungen unterlegten Reisebericht erlangte in Europa zum ersten Mal eine breite Masse Kenntnis von den kambodschanischen Tempeln. Das Buch wurde ein großer Erfolg und zog zahlreiche wissenschaftliche Expeditionen nach sich. Der deutsche Ethnologe Adolf Bastian war 1863 der erste, der den hinduistischen Einfluss in den Tempeln erkannte. Er berichtete außerdem, dass Einheimische daran glaubten, dass Riesen die Bauwerke erschaffen hätten.

Heute vermuten Forscher, dass Angkor an einer rücksichtslosen Ausbeutung der Natur zu Grunde ging. Für einen großflächigen Anbau von Reis wurden Wälder gerodet. Der Wasserbedarf für den Reisanbau war enorm. Inzwischen wurden Hinweise auf über 1.000 künstlich angelegte Seen gefunden. Anhand von Baumringen konnten Forscher sowohl Dürreperioden, als auch auf darauf folgende extreme Monsunregen nachvollziehen, die das System zerstört und den Khmer ihrer Lebensgrundlage beraubt haben könnten.

Ich ging die Sache ‚Angkor‘ etwas unvorbereitet an. Ich habe dieses Jahr meine Reise kurzfristig um ein halbes Jahr vorziehen müssen und mir blieb wenig Zeit für Recherchen oder Planungen. Literatur hatte ich auch keine dabei und so beschloss ich mich für die nächsten drei Tage vertrauensvoll in die Hände des immer lächelnden TukTuk Fahrers Mr. Thy zu begeben.

Angkor Wat

Mit meiner frisch gelösten 3-Tages-Karte brachte mich Mr. Thy als erstes zu der größten und bekanntesten Tempelanlage der Region – dem Angkor Wat. Das größte religiöse Bauwerk der Welt ist das Nationalheiligtum Kambodschas und seit 1863 auf der Nationalflagge abgebildet. Auch sonst ist es im Alltag auf Geldscheinen oder Bierflaschen allgegenwärtig und der größte Stolz des Landes. Errichtet wurde es im 11. Jahrhundert zu Ehren des hinduistischen Gottes Vishnu. Angkor Wat wurde nie vollständig verlassen. Die Anlage ist von einem Wassergraben umgeben, der sie gegen das Vordringen des Waldes und einer Überwucherung geschützt hat.

Angkor Thom

In unmittelbarer Nähe passierten wir das Südtor zu den Ruinen der im 12. Jahrhundert errichteten Hauptstadt Angkor Thom, die größer war, als alle europäischen Städte zu jener Zeit. Herzstück ist der faszinierende Tempel Bayon mit seinen heute noch 37 erhaltenen Türmen, von denen insgesamt etwa 200 Gesichter auf die Besucher herabblicken.  Sie stellen den Bodhisattva Avalokiteshvara dar, sollen aber Ähnlichkeiten zum damaligen Herrscher König Jayavarman VII. aufweisen.

Ta Phrom

Die beeindruckende Naturgewalt eines Dschungels kann man im Tempel Ta Phrom bestaunen. Jahrhunderte alte Bäume haben mit ihren Wurzeln den aus dem 12. Jahrhundert stammenden Tempel fest im Griff. Die Natur erobert sich ihr Terrain zurück und die Restauratoren Angkors entschieden sich dafür den Tempel in seinem halbverfallenen Zustand so zu belassen, wie sie ihn vorfanden. Sein Spitzname ‚Tomb Raider Temple‘ kommt übrigens nicht von ungefähr. Tatsächlich wurden hier für den ersten Teil der Lara Croft Abenteuer mit Angelina Jolie einige Szenen gedreht.

Kbal Spean

Etwa 50 Kilometer nördlich von Siem Reap befindet sich in Kbal Spean ‚Der Fluss der 1.000 Lingas‘. Im Wasserbett eines kleinen Dschungelflusses wurden zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert heilige Symbole und Figuren in Stein gehauen. Der Fluss führte nur wenig Wasser, so dass die Reliefs gut zu sehen waren. Etwa eine halbe Stunde musste ich durch den Dschungel wandern, bis ich mein Ziel erreichte. Und bis auf viel Getier war zur frühen Morgenstunde weit und breit niemand zu sehen…

Banteay Srei (10. Jahrhundert)

Preah Khan (12. Jahrhundert)

Baphuon (11. Jahrhundert)

Thommanon (12. Jahrhundert)

Banteay Kdei (12. Jahrhundert)

Neak Poan (12. Jahrhundert)

Ta Som (12. Jahrhundert)

East Mebon (10. Jahrhundert)

Unglaublich viele Fotos. Dabei habe ich nicht mal alle besuchten Sehenswürdigkeiten aufgeführt. Drei Tage Angkor waren für mich keinesfalls genug. Irgendwann einmal möchte ich noch intensiver in die Geschichte der Tempelstadt eintauchen. Leider setzt der Massentourismus – und da kann ich mich natürlich nicht ausnehmen – den Tempelruinen sehr zu. Aber ich gebe mir alle Mühe. Immerhin nehme ich meinen Müll wieder mit und verewige mich nicht schriftlich an Tempelmauern. Ich klettere auch nicht auf steinerne Elefanten um mich auf ihnen fotografieren zu lassen. Der Unesco ist das Problem bekannt. Restauratoren schlagen Alarm. Aber wie könnte die Lösung eines solchen Problems aussehen? Ich hoffe man findet Wege dafür.

Tipps zu Siem Reap / Angkor

  • Eine sehenswerte Dokumentation aus der Reihe Terra X mit dem Titel ‚Das Mysterium von Angkor‘ ist in der ZDF Mediathek abrufbar. Dargestellt wird neben neuen Forschungsergebnissen die Reise des deutschen Ethnologen Adolf Bastian im Jahre 1863. (Danke Knoevi für den Tipp!)
  • Für die Besichtigung von Angkor ist ein Eintritt zu entrichten. 1 Tag kostet 20$. 3 Tage schlagen mit 40$ zu Buche. Dafür gibt es einen schönen ‚Angkor Pass‘ mit Foto. Die 3 Tage müssen nicht hintereinander wahrgenommen werden. Das Ticket ist für einen längeren Zeitraum gültig, so dass man auch mal eine Pause einlegen kann.
    Angkor Pass
  • In Kambodscha ist es fast nicht notwendig in die Landeswährung Riehl umzutauschen, da der US-Dollar als Zweitwährung fest etabliert ist. Sogar die Geldautomaten geben Dollarnoten aus. Es ist sogar üblich eine Zahlung mit beiden Währungen zu bestreiten. Rückgeld wird oftmals auch so herausgegeben. So könnte ein Preis von 1.50$ mit 1$ und 2.000 Riehl bezahlt werden.
  • In Angkor gibt es viele Möglichkeiten zur Fortbewegung. Ich persönlich fand die Ausflüge mit dem TukTuk ideal. Für etwa 25$ steht ein Fahrer für den ganzen Tag zur Verfügung. Außerdem bieten lokale Taxifahrer ihre Dienste an für etwa 35-50$. Viele Unterkünfte verleihen inzwischen Fahrräder an ihre Gäste, was je nach geplantem Pensum eine Alternative sein kann.
  • Getränke gibt es unterwegs so gut wie an jedem Tempel.
  • Eine Fahrt vom und zum Flughafen schlägt mit 10$ zu Buche.
  • Nicht unerwähnt lassen möchte ich die hervorragende Unterkunft in der ich gewohnt habe und in der man mich herzlich aufgenommen hat. Die Mitarbeiter der kleinen Landing Golden Villa bieten einen tollen aufmerksamen Rundumservice und achten auf nachhaltigen Tourismus. Ganz nebenbei ist die Küche exzellent und das W-Lan das bisher stärkste auf meiner diesjährigen Reise gewesen.
  • Siem Reap verwandelt sich in der Nacht in eine farbenfroh beleuchtete Stadt mit vielen Möglichkeiten zur Unterhaltung. Hier kann man auch traditionelle kambodschanische Kampfkünste bestaunen (Bericht folgt).

5 Gedanken zu „Angkor“

    1. Dieses Mal fiel es mir wirklich schwer zu schreiben. Man weiß geschichtlich gar nicht wo man anfangen und aufhören soll… Man verliert sich in so vielen interessanten Details. Nimm Dir auf jeden Fall ausreichend Zeit mit 🙂

      1. From what I studied in graduate school you were right on track with all of your historical details. Not bad for somebody who did not have time to prepare! 🙂 And yes, I intend to spend a whole summer in Cambodia if I can help it.

  1. Dieser Ort hat einfach seine ganz eigene Magie. Ich finde man kann fast körperlich spüren wie bedeutsam dieser Ort ist.
    Kim wir müssen da unbedingt mal zusammen hin.

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