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Bangkok

Auch nach meinem zweiten Besuch werden Thailands Megametropole und ich keine besten Freunde mehr. Nach einem feucht-fröhlichem Willkommen zeigte sich mir die Stadt wieder von ihrer anstrengendsten Seite. Versöhnt wurde ich durch zwei spektakuläre Shows, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Den Thailand Abschnitt meiner diesjährigen Reise hatte ich mir anders vorgestellt. Beginnend im Norden im gemütlichen Chiang Mai wollte ich mich Richtung Süden nach Bangkok auf Entdeckungstour begeben. Aber es kam anders. Insgesamt 10 Tage hielt mich eine handfeste Magen-Darm-Verstimmung in Schach und ich dachte sogar daran meine Reise in Bangkok vorzeitig abzubrechen.

Stattdessen nahm ich das Tempo raus, beschränkte mich auf wenige Sehenswürdigkeiten und erholte mich an den Hotelpools. So geht’s auch mal.

In Bangkok angekommen geriet ich völlig unvorbereitet in das thailändische Neujahrsfest ‚Songkran‘. Ein Tipp der Hotelangestellten führte mich in den Stadtteil Silom, in dem sich abertausende Thais mit Wasserpistolen eine ausgelassene Straßen-Wasserschlacht lieferten.

Entwickelt hat sich dies aus dem Brauch zum Neujahrsfest seine Sünden abzuwaschen und anderen Menschen mit ein paar Spritzern Wasser Glück zu wünschen. Egal wo ich mich in den darauffolgenden 3 Tagen in der Stadt bewegte feierten die Menschen ausgelassen und man war nie sicher vor einer erfrischenden Wasserattacke.

Traditionalisten wird das ganze jedoch mittlerweile unheimlich. Durch einen immensen Alkoholkonsum steigt die Zahl der Unfälle im ganzen Land beträchtlich und knapp bekleidete, zu Technomusik tanzende Jugendliche wollen nicht so recht in das Bild eines ursprünglich religiösen Festes passen. Thailands Militärregierung hatte eigentlich den Einsatz von Wasserpistolen in Silom in diesem Jahr verboten. Als ich eines der vielen Verbotsschilder entdeckte war es schon zu spät. Ich war mit meiner Wasserpistole längst Teil des Geschehens geworden. Beachtet wurde das Verbot ohnehin von niemanden.

Am zweiten Tag feierte ich auf der legendären ‚Khao San Road‘, seit den 1980ern als legendäre Backpacker Meile bekannt. Anstatt Fotos habe ich das Spektakel in einem kurzen Video festgehalten.

Nach drei Tagen kehrte der Alltag wieder in Bangkok ein und damit ein Phänomen zurück, das mich schon bei meinem letzten Besuch vor zwei Jahren ziemlich angestrengte. 2013 sind Uwe und ich in die typische Touristenfalle Bangkoks getappt. Wir wurden von einem Tuk Tuk Fahrer quasi in Geiselhaft genommen und überall dort hingefahren, wo wir eigentlich nicht hinwollten. Unter fadenscheinigen Ausreden waren Sehenswürdigkeiten plötzlich geschlossen, dafür irgendwelche obskuren königlichen Kaufhäuser nur an diesem einen Tag im Jahr geöffnet. Bei einem Herrenschneider wurde man gar aggressiv, als wir klar machten, dass wir keinerlei Kaufabsichten hätten, sondern gegen unseren Willen abgeladen wurden. Ich erinnere mich daran, wie wir den jungen Fahrer schlussendlich ins Gebet nahmen sich entweder ab sofort nach unseren Wünschen zu richten oder wir würden ohne Bezahlung unsere Route mit ihm abbrechen. Das hatte geholfen.

Ich war also für dieses Jahr gut vorbereitet, was die Sache nicht unbedingt besser machte. Wenn man weiß, dass der Taxifahrer frech versucht das Zwanzigfache des regulären Fahrpreises aufzurufen, obwohl er gesetzlich dazu verpflichtet ist das Taxameter einzuschalten, vergeht einem bei der anschließenden Diskussion darüber ganz schnell die Laune. Hat man mal einen vermeintlich seriösen Taxi- oder Tuk Tuk Fahrer erwischt, versuchen diese ganz eifrig einen an Herrenschneider, Massagesalons oder Nutten zu vermitteln.

Die meisten Sehenswürdigkeiten Bangkoks liegen im alten Stadtkern ‚Rattanakosin Island‘, der nicht mit dem Zug zu erreichen ist. Einmal dort angekommen wird man als allein reisender Tourist wie Freiwild behandelt. Ich habe an meinem Sightseeing Tag mitgezählt. Obwohl ich mir schon in weiser Voraussicht Kopfhörer mit Musik in die Ohren gesteckt hatte wurde ich 73 (!) Mal – dreiundsiebzig Mal – angesprochen. Ganz hartnäckige Fälle wedeln einem schlussendlich mit Prospekten ihrer Angebote vor der Nase rum.

Und so erlebte ich Bangkok zum zweiten Mal als eine einzige Belästigung bei der es nur um eines geht: meine Kohle abzuzocken. Und dabei wird man ständig frech angelogen. Anders kann ich es nicht ausdrücken. In keiner anderen Stadt ist mir dies bislang so extrem passiert.

Da ich wusste wie der Hase läuft ist kein Schaden entstanden und ich versuchte meine Nerven bei einem erneuten Besuch im fantastischen Königspalast zu beruhigen. Doch da wartete die nächste Überraschung auf mich. Selbiger platze durch hunderte asiatischer Reisegruppen aus allen Nähten. Ich beschloss daher meinen Besuch im Jahre 2013 in schöner Erinnerung zu behalten und habe mich nicht in den Wahnsinn eingereiht. Die schönen Fotos von damals möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten.

Es gab einige Sehenswürdigkeiten, die ich vor zwei Jahren nicht geschafft hatte. Besonders angetan hatte es mir der elegante Tempel ‚Wat Arun‘, den ich damals nur im Vorbeifahren von einem Schnellboot aus bewundern konnte. Aber auch hier meinte es die Stadt nicht gut mit mir. Der schöne Tempel war bei meinem Besuch eingerüstet und der Aufstieg, der einen tollen Blick über Bangkok verspricht, leider gesperrt.

Immerhin konnte ich einen Besuch beim 45 Meter langen und 15 Meter hohen liegenden Buddha in der wunderschönen Tempelanlage ‚Wat Po‘ nachholen und machte einen Spaziergang zu dem von Touristen wenig besuchten Tempel ‚Wat Suthat‘, vor dessen Toren eine 25 Meter hohe Teakholz-Schaukel steht, die gebaut wurde, um Schaukelfeste zu Ehren des Hindu Gottes Shiva zu zelebrieren.

Von seiner modernsten Seite zeigt sich Bangkok im neu geschaffenen Areal ‚Asiatique – The Riverfront‘. 2012 eröffnet bietet dieses schön direkt am Fluss Chao Praya gelegene Areal eine große Auswahl an Geschäften und Gastronomie, herrlich angelegt mit verschiedenen Marktplätzen und lagerhallenähnlichen ‚Warehouses‘.

Zwei Theater runden den wohl modernsten Nachtmarkt der Stadt ab. Das seit 1988 bestehende und 2012 hierher umgezogene Cabaret Calypso begeistert seine Zuschauer mit einer Show, die ausschließlich von Männern und Ladyboys gespielt wird. Zweimal täglich verkaufen die Mädels das Haus aus und Lady Gaga ist hier nicht nur Bestandteil der Show, sondern besuchte das Calypso sogar während ihrer letzten Tour. 90 Minuten lang reisst einen die fantastische Show durch alle Nationalitäten und alle Genres. Im herrlich puffig-plüschigen Theater folgt dem thailändischen Elvis Imitator die große japanische Diva, auf das koreanische Volkslied ‚Arirang‘ die israelische Hymne ‚Hava Nagila‘ und nicht fehlen darf natürlich die ultimative Botschaft: Free your mind!

Calypso better KopieDirekt neben dem Calypso zeigen die harten Jungs des Muay Thai ihr beeindruckendes Können. Die spektakuläre Show zeigte die Geschichte des Thaiboxen von den Anfängen bis hin zu einem modernen Straßenkampf, der mehr als filmreif war (Ausschnitte aus der Show gibt es hier zu sehen). Im Anschluss gab es noch zwei echte Kämpfe zu bestaunen.

Muay Thai KopieDie Shows auf dem wunderschönen Gelände haben mich zum Schluss wieder etwas mit Bangkok versöhnt, nichtsdestotrotz werde ich vermutlich kein drittes Mal zurück kehren…

Tipps für Bangkok

  • Wie im Text schon erwähnt kenne ich keine andere Stadt, in der man in mehr Fallen tappen kann, als in Bangkok. Grundsätzlich sollte man fahrende Tuk Tuks und Taxis anhalten und nicht jene nehmen, die einen ansprechen oder vor Hotels oder Touristenattraktionen warten.
  • Taxifahrer sind gesetzlich dazu verpflichtet das Taxameter einzuschalten. Trotzdem gibt es viele, die versuchen einen vielfach höheren Preis aufzurufen (ich habe 20fach erlebt)
  • Fragen auf dem Gehweg kann man getrost ignorieren. Jedes Gespräch das mit ‚Hello my friend‘, ‚Where are you from?‘, ‚Where do you go?‘ oder ‚What will you do today?‘ endet zwangsläufig in einem Verkaufsgespräch.
  • Für das Bahnsystem gibt es die wiederaufladbare ‚Rabbit‘ Card, mit der man auch in ausgewählten Geschäften bezahlen kann.
  • Shoppingtempel Nummer 1 ist das berühmte MBK Center. Das Angebot auf 6 Etagen ist schlichtweg erschlagend. Bahnstation ‚National Stadium‘ der ‚Silom Line‘.
  • Einen wunderschönen Abend kann man im neuen Nachtmarkt-Shopping-Areal ‚Asiatique – the Riverfront‘ direkt am Fluss verbringen. Mit der ‚Silom Line‘ bis zur Station ‚Saphan Taksin‘ und von dort aus weiter mit dem kostenlosen Shuttle Boot, das in den Abendstunden atemberaubende Blicke auf die Skyline bietet.

 

 

2 Gedanken zu „Bangkok“

  1. Krank warst Du! So was Bloedes. Wie gut, dass Wasserfest und Bankok’s madness Dich wieder aufleben liessen. Alles Gute auf der Weiterreise.

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