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Geisterverehrung

Die Verehrung der Nat Geister ist so fest im Alltag der Burmesen verwurzelt, dass sie längst eine Liaison mit dem Buddhismus eingegangen ist. Wichtigster Wallfahrtsort ist ein Schrein auf dem 737 Meter hohen Popa Taung Kalat. Ein Einblick in einen Geisterkult, den es so nur in Myanmar gibt.

König Anawratha hat schon mit Gründung des burmesischen Königreiches Bagan im Jahre 1048 versucht den Nat Kult auszumerzen. Da sein Vorhaben ohne Erfolg war reformierte er den Kult und benannte 37 Nat Geister, die von ihm, also von höchsten Gnaden anerkannt wurden. Über sie stellte er als König aller Nats die Gottheit Thagyamin, auch bekannt als Gewittergott Indra.

Die meisten der 37 Nats waren Menschen, die plötzlich, manchmal gewaltsam oder unglücklich zu Tode gekommen sind. Die Todesursachen reichen von Liebeskummer und Krankheit bis hin zu Mord. Über die Jahrhunderte hinweg wurde die Liste der 37 Nats immer wieder verändert. Zusätzlich werden unzählige namenlose und regionale Nats verehrt, sowie Naturgeister nicht menschlicher Gestalt.

Burmesen glauben, dass Nats, die nicht in ausreichendem Maße geachtet und verehrt werden, schreckliche Dinge über ihr Leben bringen können. In speziellen Zeremonien fahren die Geister sogar in die Körper von weiblichen Medien, oft auch in die Körper von Transvestiten, die sich in einen tänzerischen Trancezustand begeben.

Die Naturgeister werden häufig an kleinen Nat-Schreinen, die wie kleine Puppenhäuser aussehen, angebetet. Die Schreine befinden sich überall dort, wo diese Geister existieren, zum Beispiel an alten Bäumen inmitten von Großstädten.

Nats wurden in Myanmar schon lange vor Ausbreitung des Buddhismus angebetet. Da alle Geister bei der Geburt Buddhas anwesend gewesen sein sollen, wurde dieser zum höchsten Nat erklärt und der Geisterkult somit in den Buddhismus integriert.

Im Alltag vergewissern sich die Burmesen übrigens mit genügend Opfergaben, oft in Form von ganzen Geldscheinbündeln, der Sympathie der Nats.

Das Pilgerdorf am Fuße des Popa Taung Kalat
Das Pilgerdorf am Fuße des Popa Taung Kalat

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Einer der vielen überdachten Aufgänge zum Nat Schrein
Einer der vielen überdachten Aufgänge zum Nat Schrein
Freche, wild lebende Affen stibitzen was nicht niet- und nagelfest ist
Freche, wild lebende Affen auf den Treppen stibitzen was nicht niet- und nagelfest ist
Der Aufgang ist von Händlern und unzähligen Möglichkeiten für eine Spende gesäumt
Der Aufgang ist von Händlern und unzähligen Möglichkeiten für eine Spende gesäumt
Überdachte Aufgänge bis zum Schrein
Überdachte Aufgänge bis zum Schrein

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Oben angekommen gibt es traumhafte Ausblicke über die Ebene um den Mount Popa
Oben angekommen gibt es traumhafte Ausblicke über die Ebene um den Mount Popa

Einblicke in den Nat Schrein auf  dem Popa Taung Kalat. Eine der wichtigsten Pilgerstätten der Burmesen.

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Tipps für einen Besuch am Popa Taung Kalat

  • Von Bagan aus ist der Nat Schrein in einem Halbtagesausflug mit dem Taxi zu erreichen. Hotels übernehmen gerne die Vermittlung des Ausfluges der mit 35$ (Stand 04/2015) zu Buche schlägt.
  • Die Fahrtdauer beträgt etwa 1,5 Stunden pro Strecke. Auf der Überlandfahrt wird man mit bitterster Armut der ländlichen Bevölkerung konfrontiert mit Bildern, die sich wohl ewig in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Aus fahrenden Autos wurde Geld, Lebensmittel und Süßigkeiten für Kinder auf die Straße geworfen.
  • Der Aufstieg zum Schrein erfolgt über überdachte Treppen, ist jedoch relativ steil und nicht zu unterschätzen. Insbesondere bei heißen Temperaturen kommt man schnell aus der Puste. Der Weg ist mit unzähligen Händlern gesäumt und man kann schnell für Trinkwassernachschub sorgen. Während des Aufstieges wird man mehrfach um Spenden gebeten.
  • Die Toiletten im Pilgerdorf sind nichts für schwache Nerven.
  • Vorsicht vor den frechen, stehlenden Affen. Was sie einmal in ihren Fängen haben geben sie nicht wieder her.

2 Gedanken zu „Geisterverehrung“

  1. Mit Spenden-Moeglichkeiten, meinst Du da Bettler? Wie sieht es aus mit den Bettlern in Burma? Gibt es viele Obdachlose? Sollte man Spenden an individuelle Bettler, oder lieber nicht? Ein kleiner Einblick von Dir in dieses Thema waere hilfreich. Lohnt sich vielleicht ein ganzer Tag an diesem Ort?

  2. In diesem Falle meinte ich mit Spenden Möglichkeiten keine Bettler. Die Armut in Myanmar ist nicht zu übersehen und man wird schon des öfteren angesprochen. Mein Reiseführer rät eher an Hilfsorganisationen zu spenden, die auf Myanmar spezialisiert sind. Ich finde ein ganzer Tag vor Ort lohnt sich nicht. Der Schrein ist relativ klein. Ich empfand den Halbtagesausflug als ideal.

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