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Bagan

Der Anblick ist unbeschreiblich. Soweit das Auge reicht durchziehen die ehrwürdigen Bauten eine savannenähnliche Landschaft. Mehr als 2.000 Tempelruinen eines untergegangenen Königreiches machen Bagan zu einem der aufregendsten Reiseziele der Welt.

Meine Anreise war spannend. Ich fand mich plötzlich in einer kleinen Abflughalle im Inlandsterminal des Flughafen Rangun  wieder. Die vier Terminals bestanden aus vier Schiebetüren, die direkt nebeneinander lagen. Beim Check-In hat man mir einen Aufkleber der Fluglinie auf mein Hemd geklebt und da mein Flieger wie ein Linienbus drei Ziele hintereinander ansteuerte wurde ich mit den Buchstaben NYU gekennzeichnet. So wussten die Flugbegleiter der kleinen Propellermaschine genau, wer wann aussteigen musste. Außerdem halfen sie ungemein beim Boarding der Maschine. Von den Durchsagen war kein Wort zu verstehen und Mitarbeiter des Flughafens gingen durch die Wartereihen und sammelten uns ein.

Die Sicherheitskontrollen waren ungewohnt. Die Durchleuchtung meiner Taschen wirkte eher wie eine Art Zeitvertreib. Ich könnte schwören, dass niemand auf den Monitor geschaut hat um irgendetwas zu kontrollieren. Da der Flieger nicht voll ausgebucht war konnten die meisten Fluggäste ihr Gepäck mit in die Kabine nehmen. So endete meine Tasche auf einem Fensterplatz, sicher angeschnallt von einer netten Flugbegleiterin, kurz bevor sie einen Becher Cola über mich ergoss.

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Sicher am Zielflughafen angekommen musste ich zum ersten Mal in meinem Leben Eintritt für eine Stadt zahlen und besorgte mir ein Ticket für die ‚Bagan Archaeological Zone‘.

Am nächsten Morgen weckte mich ein völlig übersteuerter Lautsprecher mit kratzenden Gesängen zum ersten Mal gegen 5 Uhr. Und er sollte auch die nächsten Stunden nicht damit aufhören die ungewöhnliche Musikuntermalung durch den Ort zu schmettern. Beim Frühstück auf der Dachterrasse erklärten mir die Mitarbeiter des Hotels, dass es sich um buddhistische Chants handeln würde.  Ich warf einen Blick hinunter auf die Straße und sah in unmittelbarer Nähe eine Festzug vorbeiziehen. Ich eilte hinab und bestaunte eine prachtvolle Zeremonie inmitten des eiligen Gewusels dieses kleinen Ortes. Es handelte sich wieder um eine Zeremonie in der Kinder, dieses Mal Mädchen hoch zu Roß und Elefant, in einem Kloster aufgenommen werden. Außerdem zogen die Mönche zu ihrer täglichen Almosensammlung los. Dies kann man in Myanmar problemlos überall beobachten. Mönchen ist es nur bis 11 Uhr morgens gestattet zu essen und so sammeln sie in aller Frühe bei der Bevölkerung Essensspenden ein. Die reichen von gekochtem Reis bis hin zu Päckchen mit Instant Nudeln. Alle machen mit, schließlich geht es darum durch gute Taten sein Karma zu verbessern.

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Ich besorgte mir einen Elektro-Motorroller um die Gegend weiter zu erkunden und um einen ersten Abstecher zu den Tempelruinen zu machen, die sich auf insgesamt 40 km² erstrecken. Von meiner eigenen Courage überrascht brauste ich mit meinem Vehikel fröhlich mitten in den südostasiatischen Straßenverkehr rein. Und der ist zur Trockenzeit nicht nur recht staubig, sondern hält auch noch einige Überraschung bereit. Freilaufende Tiere, Pferdekutschen, Fahrräder, Fußgänger, Reisebusse, Pick Up Lastwagen so überfüllt, dass die Menschen auf den Dächern sitzen, und und und… Dafür fehlt nachts eine Straßenbeleuchtung. Nach einigen Minuten hatte ich den Bogen raus und fuhr wie ein Vollprofi. Hupen inklusive. Jeder Verkehrsteilnehmer schätzt die Geschwindigkeit des anderen ein und dann wird einfach drumherum gefahren. Wer zum Überholen ansetzt hupt einfach als kleine Ankündigung. Für Fußgänger gilt: Wer stehen bleibt verliert. Wer eine Straße überqueren möchte muss irgendwann mitten in den Verkehr hinein laufen und darf damit nicht aufhören, bis er die andere Seite erreicht hat.

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Stadtbild Nyaung U

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Ich fuhr ziellos Richtung Tempel und hielt bei dem ersten, der mir gefiel. Einer der Tempelwächter führte mich durch das Innere auf das Dach und so bot sich mir ein allererster Ausblick. Wenn auch noch nicht über das gesamte Areal.

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In über 300 Tempeln sind Wandmalereien aus dem 11. bis 13. Jahrhundert zu bewundern.

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Die Tempelruinen sind Zeugnisse des untergegangenen Königreiches Bagan, das in den Jahren von 1044 bis 1287 existierte und dessen Ende nach vielen geschichtlichen Wirren durch die Eroberung monogolischer Truppen besiegelt wurde. Archäologen gehen von ursprünglich über 6.000 Pagoden aus. Viele wurden zuletzt bei einem schweren Erdbeben im Jahre 1975 zerstört. Das Epizentrum mit einer Stärke von 6,5 auf der Richterskala lag direkt unter Bagan.

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Bagans Hauptattraktion ist natürlich der berühmte Blick von oben über das gesamte Areal. Für einen Flug mit dem Heißluftballon kam ich einen halben Tag zu spät, denn sie werden auf Grund des Klimas nur von November bis Ende März angeboten. So kletterte ich zum Sonnenuntergang und zum Sonnenaufgang auf die von vielen Touristen besuchte Shwesandaw Pagode.

Bei dieser atemberaubenden Aussicht wünscht man sich tatsächlich, dass die Zeit stehen bleiben würde.

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Zwei Heißluftballone haben uns den Blick auf den Sonnenaufgang verschönt. Normalerweise hängen Dutzende Ballons am Himmel. Von daher muss es sich um die letzte Nachzügler gehandelt haben.

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Ich schaute mir einige der Tempel genauer an und verweilte einige Zeit in der heute noch täglich von Gläubigen aufgesuchten vergoldeten Shwezigon Pagode aus dem 11. Jahrhundert.

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An meinem letzten Tag schaute ich mir in aller Ruhe noch einmal einen Sonnenaufgang an und versuchte mir vorzustellen, wie das Leben vor 1000 Jahren hier ausgesehen haben mag… Auch in Bagan fiel mir der Abschied wieder schwer. Der wunderschöne Blick über das Ruinenfeld ist für mich wahrlich ein unvergessliches Erlebnis.

Tipps für einen Besuch in Bagan
(alle Preise Stand 04/2015)

  • Um das Ruinenfeld von Bagan zu besuchen kann man entweder in Nyaung U, Old Bagan oder New Bagan übernachten. In Old Bagan sind höherpreisige Hotels angesiedelt. Nyaung U und New Bagan ist für Budgetreisende empfehlenswerter. Der Flughafen liegt nur circa 3 Kilometer von Nyaung U entfernt.
  • Für den Besuch in Bagan muss man einen Eintritt bezahlen. Und auch hier hat das rasende Tempo, in dem sich Myanmar entwickelt, sämtliche Reiseführer überholt. Für den Besuch der ‚Bagan Archaeological Zone‘ sind inzwischen 20 US-Dollar oder wahlweise 20 Euro zu entrichten. Das Ticket ist immer mitzuführen und es wird stichprobenartig kontrolliert. Ich selbst bin zwei Mal in drei Tagen aufgefordert worden, mein Ticket vorzuzeigen.
  • Um das Ruinenfeld zu besichtigen bieten sich verschiedene Fortbewegungsmittel an. Neben klassischen Fahrrädern (3 Euro pro Tag) sind derzeit Elektro-Motorroller der große Hit (5 Euro pro Tag). Eine Pferdekutsche ist für 20 Euro pro Tag zu haben. Taxifahrer bieten ihre Dienste für 35 Euro pro Tag an.DSCN8877
  • Auch in Tempelruinen gilt: Schuhe & Socken ausziehenDSCN9085
  • In der ‚Thiripyitsaya (4) Road‘ in Nyaung U sind viele Restaurants angesiedelt.
  • In Bagan sind Souvenirverkäufer aufdringlicher als in Rangun oder Mandalay. Oft tappt man durch ein unverfängliches Gespräch oder vermeintliche Hilfsbereitschaft in die Verkaufsfalle. Sind es an der Shwesandaw Pagode vor allem Kinder, die Postkarten verkaufen wollen (und deren Schulbildung angeblich davon abhängt), wurden an der Shwezigon Pagode kurzerhand meine Schuhe gekidnappt um besonders darauf aufzupassen. Außerdem gab es von einer netten Dame Hilfe beim Einparken meines Motorrollers. In beiden Fällen versprach man sich etwas davon.
  • Wer helfen möchte, kann in Deutschland an verschiedene Organisationen zur Unterstützung Myanmars spenden.
  • In den Hitzemonaten April und Mai ist ein Ausflug nach Bagan eine staubige Angelegenheit. Außerdem kratzen die Temperaturen fast täglich an der 40 Grad Marke. Auf Sonnenschutz achten und unbedingt genug Wasser mit auf die Ausflüge nehmen.
  • In einem Halbtagesausflug lässt sich der Popa Taung Kalat erreichen, auf dessen Spitze sich eine der wichtigsten Wallfahrtsorten der Burmesen befindet. Der Schrein zur Verehrung der 37 Nat Geister.

 

3 Gedanken zu „Bagan“

  1. Einfach Wahnsinn! So ein Elektroroller – kann man das auch wenn man nicht Motorrad faehrt? Ist das wie ein elektrisches Fahrrad? Wie viele Tage Zeit sollte man sich fuer Bagan nehmen? So toll, dass Du diesen Blog schreibst, Kim. Danke!

    1. Hallo liebe Elisabeth. Ich war mit drei vollen Tagen sehr zufrieden (An- und Abreisetage nicht mitgezählt). Es kommt natürlich darauf an wie tief Du in die Geschichte der unzähligen Tempel einsteigen willst und wie viele Du von innen sehen willst. In diesen drei Tagen habe ich mir mehrere Sonnenauf- und -untergänge angesehen, bin mit meinem Elektroroller (ja, eher ein elektrisches Fahrrad als ein Motorrad. Das kannst Du auch auf jeden Fall fahren!) gemütlich auf verschiedenen Wegen durch das Ruinenfeld gekurvt und die Zeit reichte auch noch für einen Halbtagesausflug zum Schrein der Nats auf dem Popa Taung Kalat.

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