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Rangun Downtown

Imposante Kolonialbauten, verdammt enge Straßen in Chinatown und eine Pagode, die angeblich noch zu Lebzeiten Buddhas gebaut wurde, und die nun vom größten Kreisverkehr der Stadt umgeben ist. Im Zentrum von Rangun raubt einem nicht nur die Hitze den Atem. 

Mein zweiter Tag in Myanmar begann ungewöhnlich. Ich blätterte beim Frühstück in meinem Reiseführer und entschloss mich einem Vorschlag für einen Spaziergang durch die Innenstadt von Rangun zu folgen.

Ich schnappte mir also das nächste Taxi und lies mich am Bogyoke Aung San Markt absetzen, der an diesem frühen Morgen gerade zum Leben erwachte. Einige Schritte weiter wurde ich auf einen hinduistischen Tempel aufmerksam, aus dem Gesänge mit Hilfe von Lautsprechern nach draußen übertragen wurden. Ich habe noch nie einen hinduistischen Tempel besucht und so zog ich von Neugier gepackt kurzerhand Schuhe und Socken aus und trat ein.

Räucherstäbchen schwängerten die Luft und die hochsommerlichen Temperaturen heizten den Tempel wie eine Dampfbad auf. Ich entrichtete eine kleine Spende und stand eine kurze Zeit in der Ecke bis mich überraschend ein Herr an die Hand nahm und mir einen Platz anbot. Im Handumdrehen wurde ich also Teil des Geschehens.

Ich beobachtete in Ruhe die Szenerie und die Rituale der Gläubigen. Ein Mann predigte ausdauernd in ein Mikrofon während ein anderer Obst an die Gläubigen verteilte und mir eine Banane überreichte. Ich war also als Gast willkommen. Im Anschluss an den Gesang musizierten drei weitere Männer mit traditionellen Instrumenten. Da ich keine Ahnung von Hinduismus habe, verstand ich den Großteil der Rituale natürlich nicht. Dennoch blieb ich etwa eine Stunde und genoss die Atmosphäre.

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Beim Verlassen des Tempels lief ich zwei buddhistischen Kindermönchen in die Arme, die mir ihre Spendenschalen entgegen hielten. Da ich gerade keinen Reis zur Hand hatte und man offensichtlich um eine Geldspende bat,  legte ich jeweils 1.000 Kyat dazu. Bestimmt gut für mein Karma. Man kann ja nie wissen.

Mein Weg führte mich weiter Richtung Sule Pagode, die inzwischen vom größten Kreisverkehr der Stadt und einem entsprechenden Verkehrschaos umgeben ist. Zudem wird an allen Ecken und Enden gebaut und saniert und die Baustellen sorgen für noch mehr Chaos. An Absperrungen wie bei uns ist dabei nicht zu denken. Um ein Haar wäre ich in flüssigen Zement getreten, hätte ich mich nicht über die ein paar Meter entfernte halbbrüchige Holzplanke gewundert.

Trockenen Fußes an der Sule Pagode angekommen lüftete sich das Geheimnis um die Damen, die Käfige voll mit Singvögeln durch die Gegend tragen und über die ich mich tags zuvor noch gewundert hatte. Selbige sitzen nämlich am Haupteingang der Pagode und gegen Geld kann man einem Vogel die Freiheit erkaufen und ihn fliegen lassen. Ein Ritual dass positives Karma anhäufen soll. Keine Ahnung wie es  um das Karma der Vogelfängerinnen bestellt ist. Ganz nebenbei verkaufen sie noch Vogelfutter um die ohnehin schon riesige Taubenplage der Stadt noch zu vergrößern.

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Verkehrschaos in Rangun
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Das hellblaue Gebäude links ist die Stadtverwaltung von Rangun. Rechts mit Glockenturm die Central Fire Station, die auch heute noch der Hauptsitz der Feuerwehr ist

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Stadtbild Rangun
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Taubenplage am Eingang zur Sule Pagode

Die Sule Pagode entstand angeblich schon zu Lebzeiten Buddhas, der im Nachbarland Indien lebte und wirkte. Er soll zwei burmesischen Händlern eine Haarsträhne gegeben haben, die als Reliquie im Inneren der Pagode aufbewahrt wird. 1988 und 2007 wurde sie zum Schauplatz großer Demonstrationen für mehr Demokratie, die jeweils von der Militärjunta brutal niedergeschlagen wurden. Sie ist weitaus weniger prachtvoll als die Shwedagon Pagode, aber dafür kann man hier ziemlich touristenfrei einen typisch buddhistischen Alltag der Einwohner beobachten. Und da geht es neben all den vielen Ritualen manchmal herrlich pragmatisch zu. Eine ältere Dame, die den Schlägel zur Glocke nicht fand, schlug halt mit der flachen Hand drauf. Eine Katze warf einen erlegten Singvogel direkt neben dem Stuhl eines Pförtners ab und verschwand, was dieser kurz zur Kenntnis nahm, um sich dann wieder seelenruhig seiner Zeitungslektüre zu widmen.

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Ich streifte für den Rest des Tages ohne wirkliches Ziel umher und genoss die Gegensätze der Stadt. Plötzlich stand ein Deutscher vor mir, dessen Gesicht heute nicht zum ersten Mal von der Sonne verbrannt wurde. Er trug den traditionellen burmesischen Wickelrock ‚Longyi‘ und eine Halskette mit einem Stormtrooper Anhänger. Mit irrem Blick fragte er mich, ob es in dieser Stadt auch Sehenswürdigkeiten gäbe. Ich zeigte auf die Sule Pagode hinter ihm, worauf hin er mich fragte, ob ich jetzt auf dem Weg dorthin wäre. Ich verneinte und lief spontan in die entgegengesetzte Richtung. Ich kämpfte mich durch die engen Marktgassen von Chinatown, wo von der Frühlingsrolle bis zum iPhone alles auf der Straße feilgeboten wird. Die Gassen sind so eng, dass rein theoretisch nur eine Person durchpassen kann. Aber es ist wie so oft: Irgendwie funktioniert es trotzdem.

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Während der Bus im Verkehrschaos steckt kann der Linien Ausrufer in Ruhe seine Zeitung lesen
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Verehrung der Nat Geister am Wegesrand
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Unabhängigkeitsdenkmal
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Gerichtshof
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Die Betreiberin eines Straßenstands flieht vor der Mittagshitze
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Aus dem Stadtbild sind die Mönche nicht wegzudenken

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Durch eine Baustelle musste ich eine Straße passieren, die mir auf den ersten Blick unheimlich erschien. Aber wie so oft trog der Schein. Eine Gruppe Jugendlicher spielte Fußball und einer von ihnen schoss derart über das Ziel hinaus, dass der Ball drohte auf die dicht befahrene Strand Road zu fliegen. Wäre nicht ich im Weg gewesen. Ich stand exakt in der Schusslinie und schoss den Ball geradewegs zurück was von den Jungs frenetisch gefeiert wurde. Ich spielte eine kurze Zeit mit ihnen und musste Lächeln… Da war es wieder… Das Glück des Reisens…

Tipps für Rangun

  • Da die Eintrittspreise sämtlicher mir vorliegenden Reiseführer – egal wie aktuell die Ausgabe war – inzwischen schon wieder überholt waren, verzichte ich darauf sie zu nennen
  • Die Zeiten in denen man seine kompletten Reisekosten in bar mit nach Myanmar nehmen musste sind allerdings endgültig vorbei. Die Geldautomatendichte ist in Rangun definitiv höher als in Hamburg, was erstaunlich ist. Der erste Geldautomat wurde schließlich erst im Jahre 2012 installiert.
  • Die beste Art der Fortbewegung ist zu Fuß oder mit dem Taxi. Fahrten innerhalb von Rangun kosten 1.000 – 4.000 Kyat (0,85 € – 3,50 €). Eine Fahrt vom Flughafen zum Hotel schlägt mit 10.000 Kyat (8,90 €) zu Buche. Alternativ können sämtliche Ausgaben auch in US-Dollar bestritten werden. Taxifahrer bieten ihre Dienste auch für Ausflüge zu entfernteren Zielen an. Es gibt keine Taxameter. Preise werden vor Fahrtantritt mit dem Fahrer ausgehandelt.
  • In Tempeln müssen Schuhe und Socken ausgezogen werden und es ist auf angemessene Kleidung zu achten (keine Shorts, keine ärmellose Shirts).
  • Ansonsten lautet mein größter Tipp für Rangun: einfach loslaufen und entdecken!

2 Gedanken zu „Rangun Downtown“

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