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Kyoto: Japans Schatzkammer

Kyoto ist das kulturelle Zentrum und das beliebteste Touristenziel Japans. Und eine echte Herausforderung! Es gibt hier über 1.600 buddhistische Tempel und 400 Shinto Schreine. Paläste und Gärten noch nicht mitgezählt. Ein Unesco Weltkulturerbe reiht sich an das nächste. Wo fang ich bloß an?

Kyoto war von 794 an über 1.000 Jahre lang die Hauptstadt Japans. 1868 verlegte man den Kaisersitz nach Tokyo und Kyoto verlor seine führende Rolle. In dieser langen Zeit hat sich ein unermesslicher kultureller Reichtum angesammelt, der wie durch ein Wunder viele Kriege überlebt und die Stadt vor einer Katastrophe bewahrt hat. Im Zweiten Weltkrieg wurde Kyoto gemeinsam mit anderen japanischen Städten als potentielles Ziel für einen Atombombenabwurf ausgewählt, schlussendlich aber aufgrund ihrer kulturellen Bedeutung wieder von der Liste gestrichen.

Eine Geisha im Gion Viertel

Mir einen Überblick zu verschaffen war gar nicht so einfach. Die Sehenswürdigkeiten liegen über viele verschiedene Orte verteilt. Ein erster Spaziergang führte mich in das Unterhaltungsviertel Gion, das ich von meiner Hostel aus zu Fuß erreichen konnte. In diesem Altstadtviertel gibt es noch viele der alten japanischen Holzhäuser und es ist bekannt für seine kulturellen Traditionen, vor allem gepflegt durch die Geishas. Eine Geisha arbeitet in einem sogenannten Ochaya, einem Teehaus oder besser gesagt einem Veranstaltungshaus, das man als Normalsterblicher nicht einfach so aufsuchen kann. Es bedarf einer Einladung einer vertrauenswürdigen, japanischen Person. Der Grund ist simpel: Von diesen Etablissements werden Veranstaltungen komplett bis ins letzte Detail in Perfektion durchorganisiert, egal um welchen Sonderwunsch es sich auch handeln mag. Geld spielt keine Rolle und der Gesamtbetrag wird erst hinterher in Rechnung gestellt. Da möchte man schon sicher sein, dass man es auch mit zahlungskräftigen, vertrauenswürdigen Kunden zu tun hat. Die Geishas begleiten diese Veranstaltungen als Unterhaltungskünstlerinnen. Sie betreiben Konversation mit den Gästen, musizieren, singen und tanzen oder unterhalten mit Kunststücken oder Spielen. Prostitution hat mit dem Geisha Beruf übrigens nichts zu tun. Mittlerweile gibt es nur noch wenige hundert registrierte Geishas, viele davon im Gion Viertel, das als Zentrum der japanischen Geisha Kultur gilt. Und man sagt, dass es verdammt schwierig sei, eine echte Geisha zu Gesicht zu bekommen. In ihrem traditionellen Gewand verlassen sie nie ihr Viertel. Vermeintliche Geishas, die man außerhalb der Hanamachi, also der Unterhaltungsviertel zu Gesicht bekommt, sind meistens für ein Fotoshooting als Geisha zurechtgemachte Touristinnen. Das Glück war mir hold, denn kaum hatte ich das Gion Viertel betreten verließ eine Geisha eilig ein Ochaya und lief mir vor die Kamera. Vermutlich auf den Weg zu ihrem nächsten Einsatz.

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Fushimi Inari Schrein

Eine der atemberaubendsten Sehenswürdigkeiten Japans ist der Fushimi Inari Schrein im südlichen Kyoto. Der Schrein selbst befindet sich auf dem etwa 230 Meter hohen Berg Inari, der vier Kilometer lange Weg dorthin ist mit über 10.000 roten Torii gesäumt. Und es kommen durch Spenden immer weitere hinzu. Unterwegs stößt man auf viele kleinere Schreine und Friedhöfe, aber auch auf nette kleine Cafés und Souvenirgeschäfte. Der Schrein ist der meist besuchte in Japan. Alleine zum Neujahrsfest pilgern über 2 Millionen Japaner den Berg hinauf.

Kinkakuji Tempel

Leider zu spät hatte ich die Vorwarnung in meinem Reiseführer gelesen, dass ein Besuch eines der berühmtesten Wahrzeichen Japans gut durchdacht sein muss. Ich kam definitiv zum falschen Zeitpunkt und so war der goldene Pavillon umringt von Massen von Touristen und vor allem Schulklassen. Ich legte mir ein wenig Musik auf die Ohren, aber die Entspannung war nur von kurzer Dauer. Den eifrigen japanischen Schülern wurde nämlich aufgetragen, während ihrer Exkursion nebenbei noch ein wenig Englisch zu üben und unter dem Motto ‚Let’s have conversation with a foreigner‘ anwesende Touristen über ihren Japan Urlaub auszufragen. Ich stand brav Rede und Antwort und natürlich für das obligatorische Erinnerungsfoto zur Verfügung.

Der goldenen Pavillon wurde 1394 als Residenz von Shogun Yoshimitsu Ashikaga erbaut und nach dessen Tod zum buddhistischen Zen Tempel. Die drei Stockwerke wurden in unterschiedlichen Stilen gestaltet. Das Erdgeschoss orientiert sich an einem Baustil für Paläste. Der erste Stock spiegelt die Bauweise von Samurai Häusern wieder, während die zweite Etage einem chinesischen Zen Tempel nachempfunden wurde. Die beiden oberen Etagen wurden außen mit Blattgold verziert.

Ryoanji Tempel

Nicht weit vom Kinkakuji Tempel entfernt liegt im Zen Tempel Ryoanji einer der berühmtesten Steingärten des Landes. Man vermutet eine Entstehung um das Jahr 1500 durch den Mönch Tokuho Zenketsu. In der 25 x 10 Meter großen Fläche ruhen auf fein gerechtem Kies insgesamt 15 Steine in 5 bemoosten Gruppen. Eine Besonderheit ist, dass es aus keinem Blickwinkel möglich ist alle 15 Steine zu sehen.

Ninaji Tempel

Noch ein Stück weiter die Straße runter stößt man auf den Ninaji Tempel. Ich weiß zwar nicht warum, aber hatten sich bei den zwei vorangegangenen Tempel die Touristen fast gegenseitig totgetreten herrschte in dieser wundervollen Tempelanlage eine himmlische Ruhe und sie entfachte damit ihre volle Schönheit. Gegründet wurde der Tempel im Jahre 888. Die meisten Gebäude stammen jedoch aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.

Kiyomizu-dera Tempel

Einen wunderbaren Blick über die Stadt hat man vom Kiyomizu-dera Tempel aus. Der Tempel wurde an einem Berghang errichtet und seine große Veranda ragt über diesen hinaus. Gegründet wurde der Tempel im Jahre 798. Das jetzige Gebäude stammt aus dem Jahr 1633. Seinen Namen, übersetzt bedeutet er ‚reines Wasser‘, verdankt der Tempel einem Wasserfall innerhalb des Tempelgeländes. Das Wasser stürzt über drei Kanäle in ein Becken. Besucher fangen es mit Metallschalen auf und trinken es, da es heilende Kräfte besitzen soll und ein langes Leben verspricht.

Nijo Schloss

Sehr beeindruckt hat mich der Besuch des Nijo Schlosses, in dessen Inneren das Fotografieren gänzlich verboten war. Besonderheit des 1626 fertig gestellten Gebäudes ist ein absichtlich quietschender Fußboden, der Nachtigall Boden, der es Eindringlingen unmöglich machen sollte unbemerkt ins Schloss zu gelangen.

Am Abend wird es ruhig in Kyoto. Viele Sehenswürdigkeiten schließen bereits am Nachmittag. Die Restaurants füllen sich und spätestens um 22 Uhr sind dann auch in der Innenstadt die Bürgersteige hochgeklappt. Ich konnte leider nur einen kleinen Teil der ehemaligen Kaiserstadt besichtigen, die wirklich ein wunderbarer Gastgeber ist.

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Von zwei Ureinwohnern Kyotos fehlte übrigens jegliche Spur. Kyoto ist der Hauptsitz des Spieleherstellers Nintendo. Das Unternehmen wurde 1889 hier gegründet und stellte zunächst Spielkarten her. Ich hatte also erwartet hier an jeder Ecke auf Donkey Kong oder zumindest meiner Lieblingsfigur Super Mario zu begegnen. Vermutlich sind sie gerade unterwegs… oder schon in Rente…

Tipps für einen Besuch in Kyoto

  • In Kyoto ist ein gutes Zeitmanagement besonders wichtig. Viele Sehenswürdigkeiten liegen weit auseinander und schließen ihre Tore schon am frühen Nachmittag. Bei den Touristeninformationen gibt es Stadtpläne, die Öffnungszeiten und Eintrittspreise der wichtigsten Sehenswürdigkeiten enthalten.
  • Den alten Kaiserpalast kann man nur zweimal täglich um 10 Uhr und um 14 Uhr besichtigen. Der Eintritt ist kostenlos, jedoch mit einer Registrierung verbunden. Mit dem Reisepass eine gute halbe Stunde vor Beginn der Führung im Verwaltungsgebäude am Inui Tor anmelden. Die nächstgelegene Bahnstation ist Imadegawa.
  • Wie so oft in Japan ist auch in Kyoto kostenloses öffentliches Wi-Fi selten verfügbar. Eine Möglichkeit gibt es in der Einkaufsstraße  Shijo Dori um den Bahnhof Kawaramachi. Zugangsdaten und Passwort hängen in der unterirdischen Passage als Schilder an der Wand.

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