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Iga-ryū Ninja Museum

Wer nach Japan reist und sich für Kampfkunst interessiert darf auf gar keinen Fall einen Besuch im Ninja Museum in Iga-Ueno versäumen. Das kleine und sehr feine Museum bietet eine hervorragende Ausstellung authentischer Ninja Waffen und führt diese auch in einer sehenswerten Show vor. Die Hauptattraktion ist jedoch etwas anderes…

Es ist Juni und so langsam habe ich den Dreh mit der Regenzeit in Japan raus. Morgens ist das Wetter sonnig und angenehm, wenn auch die Temperaturen bereits gegen 9 Uhr schon langsam an die Grenze gehen. Am frühen Nachmittag regnet es dann kurz, aber heftig und verwandelt das Land für den Rest des Tages in eine Art Waschküche. Das Ninja Museum liegt etwa 85 Kilometer von Kyoto entfernt in einem unscheinbaren Ort namens Iga-Ueno, den ich nur mit Bummelzügen erreichen konnte. Da ich dabei mehrfach umsteigen und die Zuglinien, also die Betreiber wechseln musste, entschloss ich mich früh zu starten.

Und das war wieder einmal eine gute Entscheidung. Als erstes bin ich nämlich gleich in eine Falle getappt. Von Kyoto aus musste ich als erstes in die sogenannte ‚Nara Line‘ von Japan Railways bis nach Kizu steigen. Was ich allerdings nicht wusste ist, dass es diese ‚Nara Line‘ mehrfach gibt. Sie fahren zwar alle in die gleiche Richtung, allerdings in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. So machte ich es mir nichtsahnend in der ‚Local‘ Variante der Nara Line gemütlich und wunderte mich, dass ich nach den avisierten 35 Minuten Fahrtdauer noch nicht einmal die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte. Auf einem Bahnhof mitten im Nirgendwo hatten wir einen längeren Aufenthalt und ich schaute träumend aus dem Fenster, bis mir auffiel, dass die Anzeige für das Bahngleis gegenüber ebenfalls eine ‚Nara Line‘ auswies, allerdings als Express und nicht als Local Zug. Ich war plötzlich hellwach und fragte eine Japanerin, die mir bestätigte, dass ich mit diesem Zug mein Ziel wesentlich schneller erreichen würde. Ich schnappte also meine Tasche und sprang gerade noch rechtzeitig auf.

In Kizu angekommen stand ich vor dem nächsten Problem, denn die Linie auf die ich umsteigen sollte schien nicht zu existieren. Gottlob gibt es in jedem japanischen Bahnhof, und sei er auch noch so klein, irgendwo einen Mitarbeiter, der aus dem Gedächtnis die gewünschte Verbindung abrufen kann. Ich habe es bis jetzt noch nicht erlebt, dass jemand in einem Fahrplan rumgeblättert hätte. Ich hatte überlesen, dass ich von Kizu aus noch eine Station mit einer anderen Linie bis nach Kamo fahren und von dort aus die Kansai Linie nehmen muss, die sich als gemütliche Ein-Waggon-Bimmelbahn herausstellte, die zweifelsohne als historische Bahnfahrt hätte durchgehen können (…gerade fiel mir beim Schreiben auf, dass ich gar kein Foto davon gemacht habe). Nach einigen Verwirrungen erreichte ich nach etwa 2.5 Stunden mein Ziel und machte mich auf den Weg zum Ninja Museum im Ueno Park. Ich kam gerade rechtzeitig zum Beginn der nächsten Show.

Obwohl die Show nur auf japanisch war hat sie mich beeindruckt, denn natürlich spricht hier das Gesehene für sich. Sie begann mit Meditations- bzw. Konzentrationsübungen, wie man sie auch aus anderen Arten des Schwertkampfs kennt, und zwei Schnitttests. Um zu demonstrieren wie schwer das echte Schwert ist, drückte es der Meister einem Jungen in die Hand, der im selben Moment mitsamt dem Schwert zu Boden gezogen wurde.

Eine Kunoichi, also eine weibliche Ninja, demonstrierte wie die Schwertscheide (die Hülle / der Behälter des Schwertes), an der ein Seil befestigt ist, genutzt wurde, um sich im Dunkeln voranzutasten und einen Gegner gleichzeitig zu verwirren, der lediglich von einer Schwertlänge Abstand ausgeht. Einen anschließenden Zweikampf hat sie für sich entschieden.

Ohne Vorwarnung wurde uns als nächstes die Wucht der Wurfwaffen der Ninja, der sogenannten Shuriken demonstriert. Am Bekanntesten sind wohl die Wurfsterne, die uns als erstes vorgeführt wurden und derart schnell durch den Raum flogen, dass man sie mit bloßem Auge kaum verfolgen konnte. In der angepeilten Holzwand hatten sie sich so tief verankert, dass ein Gummihammer notwendig war, um sie wieder zu entfernen. Als weitere Shuriken wurden uns Pfeile und Wurfhaken demonstriert. Die Ninja Lady bezwang einen Angreifer mit einem Seil, zeigte uns ein als Flöte getarntes Messer (als Hintergrundmusik diente hier tatsächlich ‚Der einsame Hirte‘ von James Last!) und ein Blasrohr, durch das Pfeile geschossen wurde. Ich durfte mein Glück probieren und sie staunte nicht schlecht, als ich den Luftballon gleich beim ersten Versuch getroffen hatte. Ich durfte im Anschluss der Show mein Glück mit Wurfsternen aufs Neue herausfordern, stellte aber fest, dass ich mit denen noch ein wenig üben müsste. In Deutschland allerdings nicht. Seit 2003 sind Wurfsterne verboten und schon der Besitz strafbar.

Die Hauptattraktion des Ninja Museums ist ein authentisches Ninja Haus. Es handelt sich leider nicht mehr um das Original, das in den 1990er komplett abbrannte, jedoch um einen exakten Nachbau. Wer sich ein bisschen für die Ninja fasziniert ahnt schon, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Haus handelt. Hier wurden uns einige der legendären Verstecke, Fluchtmöglichkeiten oder Geheimfächer für Waffen vorgeführt. Vermeintliche Regale entpuppten sich als Treppen, doppelte Wände ließen Personen verschwinden und geheime Beobachtungsposten wurden von uns als solche beim Betreten des Hauses nicht erkannt. Ihr müsst das mit eigenen Augen sehen und zusammen mit einigen Showhighlights habe ich versucht die Führung auf Video festzuhalten. Diese war übrigens komplett auf japanisch. Da müsst ihr jetzt wohl durch. Ich musste es ja auch.

 

Das spannende Museum zeigt nicht nur über 400 Waffen, sondern informiert auch über Kleidung, Lebensart und spezielle Techniken der Ninja. Zum Beispiel nutzen sie die Veränderungen der Pupillen von Katzen zu verschiedenen Tageszeiten um die Zeit einzuschätzen.

Ich wollte gerade den Rückweg antreten, als es mal wieder wie aus Eimern anfing zu regnen. Da ich inzwischen wusste, dass es in spätestens einer Stunde wieder aufhören würde nutzte ich die Gelegenheit und schaute mir die Ninja Show ein zweites Mal an… Die Welt war übrigens auch in der japanischen Provinz mal wieder klein, denn schon am Eingang traf ich einen Austauschschüler aus Deutschland mitsamt seiner Gastfamilie, mit denen ich den Nachmittag verbrachte.

Tipps für einen Ausflug ins Iga Ryū Ninja Museum

  • Das Museum ist von Osaka und Kyoto aus etwa 85 Kilometer entfernt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur über verschiedene Züge zu erreichen. Von Kyoto Hauptbahnhof aus mit der ‚JR Nara Line‘ (Express, nicht Local!) bis nach Kizu fahren. Dort eine Station mit dem ‚Yamatoji Rapid‘ bis nach Kamo. Anschließend mit der ‚JR Kansai Line‘ in Richtung Kameyama (diesmal Local!) bis nach Iga-Ueno (bis hierhin sind alle Züge im Japan Rail Pass inbegriffen). Dort ein letztes Mal umsteigen in die kleine Stadtbahn und bis nach Ueno-shi fahren (nicht im JR Rail Pass enthalten, Fahrpreis 260 Yen). Von dort aus ist das Museum ausgeschildert und zu Fuß in 5-10 Minuten erreichbar.
  • Direkt nach der Ankunft im Bahnhof Iga-Ueno bereits die Abfahrtzeiten für die Rückfahrt nach Kamo prüfen. Die Züge fahren nur einmal pro Stunde.
  • Die Show und die Führung durch das Haus finden in japanischer Sprache statt. Im Haus und im Museum gibt es Tafeln in englischer Sprache.
  • Öffnungszeiten: 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr (letzter Einlass 16.30 Uhr). Die Shows finden von März bis November (außer Dienstag) von 11.00 Uhr bis 15.00 Uhr zu jeder voller Stunde statt. Auf der Internetseite kann man die Zeiten vorab in einem Kalender überprüfen. Der Eintritt zum Museum beträgt 756 Yen (ca. 5€). Die Show kostet 300 Yen (ca. 2€). Es wird nur Bargeld akzeptiert.
  • Vom 29. Dezember bis 1. Januar ist das Museum geschlossen

Iga-Ryū Ninja Museum
117-13-1 Ueno Marunouchi, Iga-shi, Mie-ken
www.iganinja.jp

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