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Miyajima: Die heilige Insel

Eine gute halbe Stunde von Hiroshima entfernt liegt die heilige Insel Miyajima, die zu den schönsten Landschaften Japans gehört. Das gewaltige rote Torii, das vor der Insel im Wasser steht, ist wohl eines der bekanntesten Fotomotive der Welt. Traumhafte Tempelanlagen und Schreine machen diesen Ort wahrlich besonders. Ein toller Tagesausflug mit netter Begleitung.

Elisabeth und ich lernten uns beim Aussteigen aus dem Schnellzug Shinkansen im Bahnhof von Hiroshima kennen und sofort haben wir uns gegenseitig als Deutsche erkannt, obwohl sie schon seit fast 30 Jahren in den USA lebt. Noch bevor wir überhaupt den Bahnhof verlassen konnten hatten wir bereits soviel geplaudert, dass wir uns kurzentschlossen zu einem gemeinsamen Tagesausflug zur Insel Miyajima verabredeten. Mangels öffentlichem W-Lan in Japan blieb uns nur die altmodische Methode und so machten wir als Treffpunkt für den nächsten Morgen das ‚rote Auto‘ aus, das als Ausstellungsstück mitten im Bahnhof stand.

In meinem Hostel war das Zimmer noch nicht fertig, so dass ich im Aufenthaltsraum auf Oguzhan aus Amsterdam traf, der zufällig im gleichen Zugabteil saß wie Elisabeth und ich. Ich berichtete ihm von unserem geplanten Ausflug und er schloss sich uns an.

So machten wir uns zu dritt am nächsten Morgen in aller Frühe auf den Weg und erreichten die Insel bereits gegen 8 Uhr. Schon beim Übersetzen der Fähre bot sich uns der fantastische Blick auf das im Wasser stehende Torii in der Morgensonne.

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Die Chemie zwischen uns stimmte sofort. Oguzhan arbeitet in Amsterdam in der Stadtverwaltung und ist seit mehreren Jahren ausschließlich als Backpacker unterwegs. Elisabeth ist Professorin für Geisteswissenschaften in Michigan. Seit ihrer frühesten Jugend unternimmt sie alleine abenteuerliche Reisen an Orte, die viele von uns als wahnwitzig bezeichnen würden. Und sie schreibt darüber in einem ausführlichen Blog. Elisabeths Background ist Kunstgeschichte und so erfuhren Oguzhan und ich eine ganze Menge über Buddhismus und Shintoismus und lauschten gespannt ihren Geschichten von vergangenen Reisen.

Auf der Insel angekommen überraschten uns unzählige freilaufende Rehe und Hirsche. Die Tiere sind zahm und gehören zum Bild von Miyajima. Neugierig gesellen sie sich unter die Leute oder liegen tiefenentspannt im Schatten und beobachten das touristische Treiben.

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Unsere Entscheidung sehr früh aufzubrechen erwies sich als goldrichtig. Die Temperaturen waren noch erträglich, die Luft frisch, das Licht der Morgensonne wundervoll und vor allem hatte der touristische Ansturm noch nicht begonnen.

Als erstes stößt man auf den im Jahre 593 gegründeten Itsukushima Schrein, der in der heutigen Erscheinungsform seit 1168 existiert. Der Schrein wurde in die Bucht der Insel gebaut, da diese, als heiliger Ort geltend, von normalen Bürgern nicht betreten werden durfte. Da jeder Schrein durch ein Torii betreten werden muss, wurde dieses kurzerhand gute 160 Meter davor ins Wasser gesetzt. Der Zugang zum Schrein war damals also nur mit einem Boot möglich. Bei Ebbe kann man von der Insel bis zum Torii hinauslaufen.

Der Itsukushima Schrein war der erste Shinto Schrein, den ich in meinem Leben besucht habe. Vereinfacht gesagt werden im Shintoismus Naturgötter angebetet. Ich beobachtete wie die Gläubigen eine Münze in einen dafür vorgesehen Holzkasten warfen und zwei Mal in die Hände klatschten, um die Aufmerksamkeit der Götter zu erhalten. Anschließend richteten sie ein Gebet an sie. Zufällig wurden wir an diesem Morgen Zeugen einer Zeremonie der Priester.

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Elisabeth weiß, wie es richtig geht: Vor dem Betreten des Schreins ist eine Reinigung angesagt. Am Chozuya gießt man sich mit der Kelle das Wasser erst über die rechte Hand, dann über die linke und zum Schluss noch einmal über die rechte. Danach wird ein Schluck des Wassers getrunken.
Elisabeth weiß, wie es richtig geht: Vor dem Betreten des Schreins ist eine Reinigung angedacht. Am Chozuya gießt man sich mit der Kelle das Wasser zuerst über die rechte Hand, dann über die linke und zum Schluss noch einmal über die rechte Hand. Anschließend wird ein Schluck des Wassers getrunken.

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Von der Mitte des Schreins aus hatten wir einen unschlagbaren Blick auf das Torii.

DSCN3571 DSCN3576 DSCN3577 DSCN3579 Full and Torii

Nach einem gemütlichen Spaziergang über die Insel erreichten wir am frühen Mittag den buddhistischen Daisho-In Tempel, die bislang wundervollste Tempelanlage, die ich je gesehen habe. Am Eingang kommt man aufgrund der vielen Souvenir Shops zuerst auf die Idee in einer Art buddhistischem Disneyland gelandet zu sein, doch sobald man diese hinter sich gelassen hat taucht man unweigerlich ein in eine wundervolle, friedliche Atmosphäre.

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Ein Mönch verbrennt Holztafeln, auf denen Gläubige ihre Wünsche geschrieben haben. Mit dem Rauch steigen die Wünsche gen Himmel.

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Nach einem gemeinsamen Mittagessen in einem wunderschönen, winzig kleinen Café trennten sich unsere Wege wieder. ‚Kare‘ ist die japanische Variante eines indischen Currys und in Japan als einfaches Essen ungefähr so beliebt wie Spaghetti Bolognese in Deutschland. Dazu gab es erfrischendes Eiswasser, in das nur ein Schuss Kaffee gegeben wurde.

Foto 01.06.14 13 28 08 Three in Restaurant

Dieser Ausflug gehörte zu den absoluten Höhepunkten meiner Reise. Auch weil wir als Trio so gut harmonierten. Es ist immer wieder schön ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen. Vielen Dank für einen wunderschönen Tag.

Kurz vor meiner Rückfahrt ist es dann passiert und ich wurde Opfer eines Samurai Angriffs… Aber keine Sorge. Die Jungs sind wohlauf und den Helm hab ich auch zurück gegeben.

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Weitere Eindrücke von der Insel gibt es zusammen mit Bildern aus Hiroshima in diesem Video. Wie Elisabeth unseren Ausflug erlebt hat, könnt ihr in ihrem Blog lesen (auf Englisch).

Tipps für einen Ausflug auf die Insel Miyajima

  • Inhaber des Japan Rail Passes erreichen Miyajima ohne zusätzliche Kosten. Vom Hauptbahnhof Hiroshima fährt man mit dem Zug bis Miyajimaguchi. Hinweisschilder für die Züge sind nicht zu übersehen. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten. Direkt neben dem Bahnhof befindet sich ein kleines Fährterminal, von dem aus zwei verschiedene Fähren zur Insel übersetzen. Die JR Fähre ist im Japan Rail Pass enthalten. Die Fahrzeit beträgt etwa 10 Minuten.
  • Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf der Insel ist ein halber Tag ausreichend. Wer einen ganzen Tag einplant kann mit einer Seilbahn auf den 530 Meter hohen Berg Misen fahren und von dort aus nach unten wandern. Es gibt zwei verschiedene Routen. Beide Strecken dauern ungefähr zwischen 1,5 und 2 Stunden.
  • Wer noch mehr Zeit hat, sollte eine Übernachtung auf Miyajima erwägen, um die Ruhe der Insel zu erleben, wenn die letzte Fähre alle Touristen von der Insel gebracht hat. Das Torii wird nachts beleuchtet.
  • Vorher über die Zeiten von Ebbe und Flut informieren, insbesondere wenn man das Torii im Wasser fotografieren, oder umgekehrt, zum Torii hinauslaufen möchte.
  • In der Einkaufsstraße gibt es unzählige Souvenirgeschäfte, Restaurants und Straßenküche. Spätestens zur Mittagszeit ist hier alles mit Touristen überfüllt. Kleinere, ursprünglichere Restaurants findet man abseits des Trubels, in dem man auf gut Glück einfach mal ins Wohngebiet hinein läuft.

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