DSCN3337eff

Hashima: Die vergessene Insel

Nach fast 100 Jahren stellte man auf der Insel Hashima 1974 von einem Tag auf den anderen den unterseeischen Kohleabbau ein. Genauso schnell verließen 5.000 Bewohner ihre Häuser und ließen dabei ihr komplettes Hab und Gut zurück. Seitdem ist Hashima dem Verfall preisgegeben und wirkt heute wie ein postapokalyptisches Horrorszenario.

2009 öffnete die Stadt Nagasaki nach 35 Jahren Hashima zum ersten Mal wieder für Besucher und drei Jahre später gelangte sie als Vorlage für eine verlassene Insel im James Bond 007 Film ‚Skyfall‘ gar zu Weltruhm.

Eine vergessene Insel erwacht zu neuem Leben.

Die Geschichte der Insel ist im Prinzip schnell erzählt. Um 1810 wurde auf Hashima, etwa 4 Kilometer vor Nagasaki, zum ersten Mal Kohle entdeckt und es entwickelte sich ein unterseeischer Abbau, der ab 1890 unter der Kontrolle von Mitsubishi stand. Mit steigender Förderung stieg auch die Zahl der Arbeiter und so wurde die Insel durch Aufschüttungen stetig vergrößert und 1916 der erste Wohnblock auf ihr gebaut. In den 1960ern lebten ungefähr 5.300 Menschen auf der kleinen Insel und bescherten Hashima damit eine 9 mal höhere Bevölkerungsdichte als im damals schon engen Tokyo. Jedem Arbeiter standen 10 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung. Bad, Küche und Toiletten wurden gemeinschaftlich genutzt.

Zu Gunsten des Öls wurde der Abbau der Kohle immer uninteressanter und sowohl die Förderung, als auch die Zahl der Bewohner sank stetig. Die Regierung beschloss schließlich die Schließung der Mine im Januar 1974. Die letzten Bewohner verließen Hashima am 20. April des gleichen Jahres. Seitdem ist die Insel unbewohnt.

Über all die Jahre hatte sich auf Hashima eine Infrastruktur entwickelt. Neben notwendigen Einrichtungen wie einem Krankenhaus, einer Schule, einem Postamt, einem Friseur und diversen Geschäften gab es auch Freizeiteinrichtungen wie ein Kino, einen Spielplatz, der auch als Marktplatz genutzt wurde, ein öffentliches Schwimmbad oder ganz und gar ein Bordell. Da es auf der Insel keine Möglichkeiten zur Begrünung gab nutzten die Bewohner die Dächer ihrer Wohnblocks um dort Blumen zu züchten und Gemüse anzupflanzen. Von dort aus beobachten sie auch den starken Wellengang während der häufigen Taifune.

Bis 2009 war die Insel völlig in Vergessenheit geraten und dem Verfall preisgegeben. Seitdem hat sich viel getan. Die Stadt Nagasaki öffnete Hashima inzwischen wieder für Besucher und ein Abbild der verfallenden Gebäude dienten als Vorlage für die Insel ‚Dead City‘ im James Bond Film ‚Skyfall‘ aus dem Jahre 2012. Sony Japan überflog die Insel mit einer Drohne und nutzte die Aufnahmen als Werbefilm für eine Kamera.  Google Street View durfte die für Touristen gesperrte Bereiche besuchen und dokumentieren, so dass man zumindest virtuell einen größeren Einblick bekommen kann, wie zum Beispiel auf der genial gestalteten Internetseite Hashima Island: A Forgotten World.

Als Besucher einer der zwei täglichen Touren zur Insel Hashima begeht man einen gut 300 Meter langen Weg, der auf dem Gelände der ehemaligen Mine entlang führt. Aufgrund von Einsturzgefahr dürfen Touristen nicht durch die Wohnbereiche geführt werden. An drei Aussichtspunkten erhielten wir Einblicke eines ehemaligen Bewohners über die harte Arbeit in der Mine und das enge Leben auf der Insel.

Direkt nach der Landung blickten wir auf gleichmäßig angeordnete Bögen, die sich als Überbleibsel eines ehemaligen Förderbandes entpuppten. Darüber das höchst gelegene Gebäude der Insel, der Wohnblock der leitenden Angestellten.

DSCN3183 DSCN3192 DSCN3213 DSCN3215 DSCN3224

Etwas weiter sieht man die Überreste des zweiten Minenschachts, sowie des Verwaltungsgebäudes. In dem Backsteinbau gab es eine Bademöglichkeit für die Minenarbeiter. Mehrere kleinere Bürogebäude sind inzwischen schon eingestürzt.

DSCN3226 DSCN3231 DSCN3247 DSCN3248 DSCN3254

Am dritten Aussichtspunkt erhält man einen Blick auf das 1916 gebaute erste Wohnhaus der Insel. Das Gebäude direkt dahinter stammt aus dem Jahre 1957. Dort waren u.a. ein Postamt und ein Friseur untergebracht.

DSCN3256 DSCN3266 DSCN3267 DSCN3276 DSCN3281 DSCN3289 DSCN3290

Bei der anschließenden Umrundung der Insel gab es einen Blick von außen auf die Wohnbereiche. Markant ist die Schule am vorderen Ende der Insel.

DSCN3337 DSCN3343 DSCN3354

DSCN3355 DSCN3356 DSCN3358 DSCN3359 DSCN3387

DSCN3376

Einige Eindrücke habe ich auch in diesem Video festgehalten:


Tipps für einen Ausflug zur Insel Hashima

    • Die gefragte Tour sollte man auf jeden Fall im Voraus beim offiziellen Veranstalter Gukanjima Concierge buchen. Es gibt zwei Touren täglich. Vom Check In bis zur Rückkehr zum Fährterminal muss man ungefähr 3 Stunden einplanen.

 

    • Das Fährterminal erreicht man mit der Straßenbahn. Es liegt direkt an der Station ‚Ourakaigan-Dori‘. Vom Hauptbahnhof aus mit der blauen Linie 1 bis ‚Tsuki-Machi‘. Dort sich beim Aussteigen ein Transferticket geben lassen. Damit kann man nach Umsteigen auf die grüne Linie 5 bis ‚Ourakaigan-Dori‘ fahren, ohne den Fahrpreis ein zweites Mal entrichten zu müssen.

 

    • Sofern die Tour auf japanisch durchgeführt wird, wird ausländischen Besuchern ein kostenloser Audio Guide angeboten, für den man sich allerdings im Inneren der Fähre aufhalten muss. Die Informationen des Audio Guides waren eher mäßig, so dass ich bei gutem Wetter definitiv empfehlen würde einen Platz an Deck der Fähre zu ergattern und auf den Audio Guide zu verzichten.

 

    • Auf der Rückfahrt wird die Insel umrundet. Auf jeden Fall ein Platz an Deck ergattern oder, falls dies nicht möglich war, nach dem Ablegen hochgehen. Während des Ablegens achten die Guides darauf, dass alle Besucher aus Sicherheitsgründen sitzen.

 

 

Kommentar verfassen