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Gyeongju: Das Museum ohne Mauern

Nirgendwo in Korea gibt es so viel Geschichte zu bestaunen wie in Gyeongju. Schließlich war dieser Ort fast 1.000 Jahre der Mittelpunkt der koreanischen Halbinsel. Hier gibt es die ältesten Tempel und die interessantesten archäologischen Funde, die in einem der besten Museen Koreas zu sehen sind. Am markantesten wird Gyeongju jedoch durch mehrere Dutzend Hügelgräber geprägt, die sich durch das gesamte Stadtgebiet ziehen. Ein Ausflug in Koreas Vergangenheit.

Vom 1. Jahrhundert an existierten auf der koreanischen Halbinsel die drei Königreiche Goguryeo, Baekje und Silla, dessen Hauptstadt Seorabol, das heutige Gyeongju, war. Im Laufe des 7. Jahrhunderts erwirkte Silla mit Hilfe chinesischer Truppen die Vereinigung der drei Königreiche zu Groß-Silla, das bis zum Jahre 935 bestand. Die Hauptstadt war natürlich weiterhin Seorabol, so dass das heutige Gyeongju fast 1.000 Jahre lang der Mittelpunkt der koreanischen Halbinsel war. Nach Fall des Königreiches jedoch wurde die Stadt in Gyeongju umbenannt und geriet über die Jahrhunderte in Vergessenheit.

Während seiner Blütezeit war Gyeongju eine kosmopolitische Metropole, in der damals schon über 1 Millionen Menschen lebten. Internationales Publikum, vor allem Gesandte, Gelehrte und Künstler, ging in der Stadt ein und aus. Im Zentrum der prachtvolle Hwangnyongsa Tempel, dessen 9 Stockwerke umfassende 80 Meter große Hauptpagode das damals höchste Gebäude der Welt gewesen sein soll, das komplett aus Holz gebaut wurde.

Verglichen mit damals ist Gyeongju heute eher eine kleine, unscheinbare Stadt mit gut 200.000 Einwohnern. Im Stadtgebiet ist der Bau von Hochhäusern verboten, um eine gewisse Gemütlichkeit und Ruhe zu bewahren. Sofort fallen einem die Hügelgräber auf, die sich durch das Stadtgebiet ziehen. Lange Zeit hielten die Bewohner Gyeongjus diese für natürliche Grashügel. Erst 1921 begann man mit ernsthaften Ausgrabungen, nachdem man mehr oder weniger zufällig entdeckte, dass es sich um Grabstätten handelt. Angeblich hatte man schon Teile des Hügels abgetragen, um unter anderem die Geröllsteine zum Mauerbau zu verwenden, bis plötzlich spielende Kinder sonderbare Glasperlen fanden. Die interessanteste Ansammlung von Hügelgräbern befindet sich im Tumuli Park mitten im Zentrum von Gyeongju. Hier gibt es auf kleinstem Raum ganze 30 Hügelgräber, darunter das Grab des 13. Königs von Silla König Michu (262-284 n. Chr.). Außerdem das Doppelhügelgrab, das mit 23 Metern Höhe, 120 Metern Länge und 80 Metern Breite das höchste Hügelgrab in Gyeongju, sowie das Grab des himmlischen Pferdes ‚Cheonmachong‘, das einzige Grab, das man von innen besichtigen kann.

Etwas weiter südlich steht das älteste erhaltene Observatorium in Asien. Gebaut wurde der Steinturm Cheomseongdae unter der Herrschaft von Königin Seondeok, die 632 bis 647 n. Chr. herrschte. Die Sternwarte steckt voller Zahlensymbolik. Sie wurde aus insgesamt 362 Steinen erbaut, einen für jeden Tag des Jahres des kürzeren Lunarkalenders. Jede Lage besteht aus 12 Steinen, die wahrscheinlich die Monate symbolisieren sollen. Insgesamt gibt es 30 Lagen übereinander, vermutlich Symbol für die Tage eines Monats. Genutzt wurde der Turm um die Sterne zu beobachten und um Wettervorhersagen zu treffen.

An der Stelle an der einst der prachtvolle Hwangnyongsa Tempel mitsamt seiner 9-stöckigen Holzpagode stand hat man bei Ausgrabungen über 40.000 Artefakte gefunden, die heute im Nationalmuseum Gyeongju ausgestellt werden, das als eines der besten Museen Koreas gilt. Extra eine zusätzliche Halle musste man für die Funde bauen, die man im nahegelegenen Anapji Teich gefunden hat. Als man diesen 1975 für Ausgrabungen trocken legte kamen weitere über 33.000 Objekte zum Vorschein, wie Bronzeskulpturen, Keramiken, Würfel mit Trinksprüchen oder Metallgegenstände, gekrönt vom Fund der im Jahre 771 gegossenen Emille Glocke, mit einem Umfang von 2,3 Metern die größte Koreas.

In unmittelbarer Nähe befindet sich einer der ältesten buddhistischen Tempel Koreas. Der Bunhwangsa wurde im Jahre 634 gegründet. Erhalten aus dieser Zeit ist die Steinpagode vor dem Tempel, die zusammen mit dem Cheomseongdae Observatorium zu den ältesten Bauwerken Koreas zählt.

Mit dem Bus erreicht man den etwa 16 Kilometer südöstlich von Gyeongju gelegenen Tempel Bulguksa und die Seokguram Grotte. Zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Korea, die, wie so viele Dinge in Gyeongju, ebenfalls zum UNESCO Weltkulturerbe gehören. Erbaut wurde Bulguksa im Jahre 774. Durch mehrfache Zerstörungen über die Jahrhunderte handelt es sich bei dem heutigen Tempel um eine Rekonstruktion aus dem Jahre 1973. Die Treppenanlage ist aus dem 8. Jahrhundert erhalten. Zwei Treppen führen durch das ‚Tor des purpurfarbenen Nebels‘ in den großen Innenhof. Die größere Treppe umfasst 33 Treppenstufen. Sie symbolisieren die 33 Stufen zur Erleuchtung. Im großen Innenhof stehen zwei große Steinpagoden. Die größere Dabotap Pagode gehört zu den bedeutendsten Kunstwerken des Buddhismus und ziert sogar die koreanische 10 Won Münze. Die kleinere, schlichtere Shakyamuni Pagode wird derzeit restauriert. Um die faszinierend schöne Buddha Statue aus dem 8. Jahrhundert in der nahegelegenen Seokguram Grotte zu schützen wird in selbiger gerade eine Glaswand eingezogen. Das Fotografieren der Buddha Statue war verboten. Es hätte aber auch ein trauriges Bild abgegeben, wie er erleuchtet mitten in einer koreanischen Baustelle sitzt. Immerhin – von außen wurde die Baustelle mit einem überlebensgroßen Abbild der Statue verhüllt.

Am Abend wird es ruhig in Gyeongju. Spätestens um 21 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt. Zeit also für einen ausgiebigen Abendspaziergang um die Sehenswürdigkeiten noch einmal in einem anderen Licht zu sehen.

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