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PLANET TAEKWONDO: Das Taekwondowon in Muju

Im Herzen Koreas, inmitten schönster Natur, wird in diesem Jahr ein Ort eingeweiht, der das neue Weltmekka für Taekwondo Sportler werden soll. Nach einer langen Busfahrt durch die grünen Berge von Muju hatte ich bei meiner Ankunft das Gefühl auf einem anderen Planeten gelandet zu sein. Aber: Das tragische Unglück der Fähre Sewol zieht seine Kreise auch bis hierher. Wie so viele Veranstaltungen in Südkorea wurde die für den 24. April geplante Eröffnungszeremonie des Taekwondo Parks auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein Vorabbesuch auf dem noch leeren Planeten Taekwondo: Das TAEKWONDOWON.

Die Vorbereitungen

Meinen Besuch im Taekwondowon zu planen war von Deutschland aus gar nicht so einfach. Der Park war noch nicht eröffnet und die offizielle Internetseite stellte lediglich das Projekt an sich vor. Über Wochen hinweg hatte ich mir mühsam die Informationen zusammengetragen. Die Tatsache, dass das Taekwondowon in Koreas Mitte liegt erschwerte die Sache ungemein. Die Region Muju ist für seine traumhafte Natur und als Skigebiet bekannt. Aber wie ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln dort hin kommen würde und wo genau in Muju nun dieses Taekwondowon liegen soll, das war trotz einer Adressangabe auf der Internetseite nicht so einfach zu ermitteln.

Schließlich gelang es mir eine freundliche Ansprechpartnerin des Taekwondowon zu finden. Die Ärmste musste Dutzende e-mails von mir beantworten. Es ging allerdings auch etwas chaotisch zu. Meinen ersten Dämpfer erhielt ich, als ich erfuhr, dass ich als Alleinreisender nicht im Taekwondowon übernachten könne, da man dies nur für Gruppen ab 20 Personen anbieten würde. Auf meine Frage nach einer Hotelempfehlung erhielt ich den Vorschlag im ‚Muju Resort Hotel‘ zu übernachten, dem Nachbau eines tirolischen Dorfs. So hatte ich mir meine Kampfkunstreise allerdings nicht vorgestellt. Die Vorstellung über 9.000 Kilometer in die Heimat meines Lieblingssportes zu reisen, um dann in einem tirolischen Dorf zu übernachten, erschien mir doch leicht absurd. Immerhin: Michael Jackson hat hier auch schon residiert. Ich versuchte also über diverse Portale weitere Hotels ausfindig zu machen und musste relativ schnell kapitulieren. Viele Etablissements im Skigebiet sind auf Gruppenreisen ausgelegt und bieten nur komplette Appartements an. Die Internetseiten der meisten Hotels waren zudem nur in koreanischer Sprache aufrufbar. Meine Koreanischlehrerin in Hamburg eilte zu Hilfe und machte ein Motel in der Nähe des Muju Bus Terminals ausfindig und reservierte mir telefonisch ein Zimmer für eine Nacht.

Einige Wochen später dann die gute Nachricht. Man habe beschlossen, dass ausländische Einzelbesucher nun doch die Übernachtungsmöglichkeiten direkt im Taekwondowon nutzen könnten. Ich war begeistert und buchte mich für vier Nächte ein, fest entschlossen die umfangreichen Angebote auszunutzen, die in der Hochglanzbroschüre angepriesen wurden.

Nach wie vor ist das Taekwondowon auf Gruppenreisen ausgelegt, aber für Tagesbesucher werden neun Programme angeboten:

  • Basic Positions of Taekwondo
  • Taekwon Healing Therapy
  • Taekwonteering
  • Taekwon Gymnastics
  • Training at Ohaeng Falls (Sound Meditation)
  • Traditional Physical Training
  • Yap! Experience Center
  • Taekwondo Museum
  • Taekwondo Cultural Performance

Die Anreise

Meine Anreise erwies sich als einfacher als vorher befürchtet. Von Jeonju aus gab es einen direkten Bus zum Muju Bus Terminal. Dort angekommen entschied ich mich für ein Taxi zum Taekwondowon. Ich checkte ein und wurde mit einer herben Enttäuschung konfrontiert, die aber einen triftigen Grund hatte. Durch das Fährunglück der Sewol wurde die Eröffnungszeremonie des Taekwondowon, die längst hätte stattfinden sollen, auf unbestimmte Zeit verschoben. Es waren kaum Besucher vor Ort (ich war vermutlich der einzige Übernachtungsgast in diesem riesigen Komplex) und die Taekwondo Programme für Tagesbesucher standen zum Großteil noch nicht zur Verfügung. Etwas zerknirscht verkürzte ich meinen Aufenthalt auf zwei Nächte und beschloss das Beste daraus zu machen.

Das Gelände

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Dimensionen des Taekwondowon sind beeindruckend. Gleich am Haupteingang schlägt das Herz des Taekwondowon in der sogenannten Body Zone. Hier befindet sich die beeindruckende T1 Arena in Form des Taeguk Symbols (der Kreis auf der koreanischen Flagge), in der sogar ein Theater integriert ist. Auf der Fläche findet täglich eine beeindruckende Vorführung des Taekwondowon Teams statt. Vor der Arena wehen die Flaggen der 206 Mitgliedsnationen der World Taekwondo Federation und 11 Skulpturen des Künstlers Chung Hyun repräsentieren die fünf Ozeane und sechs Kontinente und den Wunsch nach Respekt und Frieden für die Menschen durch die Stärke des Taekwondo. Im Taekwondo Museum kann man die komplette Entwicklung der Kampfkunst von den Jahrtausende alten Vorläufern bis hin zur olympischen Sportart in einer sehr modernen Ausstellung nachvollziehen. Der Eintritt ist frei. Im Yap! Experience Center sollen Kinder und Jugendliche Taekwondo spielerisch und interaktiv neu erfahren. Die Gürtel zu den Taekwondoanzügen beinhalten nicht nur alle Schülerfarben des Taekwondo auf einmal, sie sind auch mit einem Funksensor ausgestattet. In verschiedenen Reaktions- und Geschicklichkeitsspielen oder virtuellen Taekwondokämpfen, ähnlich eines Wii Spieles, gilt es Punkte zu sammeln, die automatisch durch den Sensor am Gürtel registriert werden. Außerdem gibt es ein 3D Kino.

Geht man ein Stück den Berg hinauf erreicht man die Mind Zone. Hier befinden sich die Übernachtungsmöglichkeiten, sowie diverse Trainings- und Studienräume und die Verwaltung des Taekwondowon.

Noch weiter oben erreicht man die Spirit Zone. Den Weg dorthin kann man auf Brücken zurücklegen, die in Taekwondo Gürtelfarben gestaltet sind. Durch einen neu angelegten Park kann man durch einen kleinen Bambuswald an den Ohaeng Wasserfällen vorbei bis hin zu den kleinen Tempelanlagen Taekwon-jeon und Myeongin-gwan flanieren. Mit einer Monorailbahn erreicht man das Observatorium, dass einen atemberaubenden Blick über das gesamte Gelände des Taekwondowon und die Region Muju bietet. Auf einem Wanderweg können zudem Mind- und Spirit Zone einmal umwandert werden.

 

Meine Erfahrung

Obwohl ich leider an keinen Taekwondo Programmen teilnehmen konnte (außer eines kleinen spielerischen Besuchs des Yap! Experience Centers, das man mir in einer privaten Führung zeigte) hab ich den Besuch in diesem neuen Mekka des Taekwondo genießen können. Durch den derzeitigen Besuchermangel, den die Mitarbeiter auch auf das Fährunglück der Sewol zurück führen, durch das viele öffentliche Veranstaltungen in Südkorea abgesagt wurden, standen sich von den Köchen bis zur Souvenirverkäuferin alle die Beine in den Bauch. So war ich als einziger und auch noch weit angereister Besucher ein willkommenes Opfer für einen Plausch in der Mittagspause.

Einen kompletten Tag konnte ich gut füllen und das Gelände in aller Ruhe erforschen. Und ein paar Bewegtbilder habe ich Euch auch mitbringen können.

Epilog

Der Mond ist aufgegangen über dem Planeten Taekwondo. Die Stille ist gespenstisch. Aus den umliegenden Wälder sind allerlei Tierlaute zu hören. Ich hoffe, dass dieses wunderbare Gelände bald so richtig zum Leben erwacht. Und das erreicht, was es sich vorgenommen hat: WE ARE ONE!

TAEKWONDOWON
1482 Museol-ro, Seolcheon-myeon, Muju-gun, Jeollabuk-do, Korea
Website: http://tkdwon.kr/eng/

Tipps für Euren Besuch im Taekwondowon

  • Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: In Südkorea gibt es eine hohe Anzahl von Fernbusverbindungen. Um das Taekwondowon zu besuchen nehmt ihr einen Fernbus nach Muju. Von dort aus sind es noch etwa 20 Kilometer. Vom Bus Terminal Muju fährt ein Bus (#8) in Richtung Seolcheon. Dem Fahrer beim Einsteigen sagen, dass man am Taekwondowon aussteigen möchte. Der Fahrpreis beträgt 1.500 Won. Für etwa 20.000 Won (ca. 15 Euro) kann man die Strecke bequem mit dem Taxi zurücklegen. Ein Shuttlebus soll nach der Eröffnung eingeführt werden.
  • Nach wie vor ist das Taekwondowon auf Gruppenreisen ausgelegt. Wer die Chance hat einen Tagesauflug zu machen, sollte keinesfalls die beeindruckende Vorführung des Taekwondowon Demonstration Teams täglich um 14 Uhr in der T1 Arena verpassen. Am Wochenende gibt es die Show zusätzlich um 11 Uhr morgens zu sehen. Außerdem sollte das Taekwondo Museum eingeplant werden (30-60 Minuten), sowie ein Blick vom Observatorium.
  • Es gibt diverse Supermärkte, Cafés und Restaurants auf dem Gelände. Speisekarten und Sprachkenntnisse der Mitarbeiter sind oftmals nur auf Koreanisch.

 

 

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