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Korea 2013 – Tag 4: DMZ & Abschied aus Seoul

Unser vierter Tag in Seoul begann recht früh, denn wir hatten eine Tour an die nordkoreanische Grenze in die sogenannte Demilitarisierte Zone gebucht. Das Paradoxe an diesem Ausflug war, dass die große Tour, die einen Besuch von Panmunjeom beinhaltet, dem Ort, an dem sich nordkoreanische Soldaten und Soldaten der Vereinten Nationen gegenüber stehen, trotz aktueller politischer Spannungen über die nächsten Monate restlos ausgebucht waren.

Einen ausführlichen Bericht über diesen Ausflug mit vielen Bildern könnt ihr hier lesen.

Als wir am Nachmittag wieder in Seoul eintrafen erwartete uns ein herrlicher, sonniger Frühlingstag und ein buntes Treiben in der Stadt. Am 5. Mai wird zwar international, aber in asiatischen Ländern insbesondere der ‚Tag des Kindes‘ gefeiert. Gleichzeitig fand auf dem Platz vor dem Rathaus ein internationales Freundschaftsfestival statt. Unzählige Länder präsentierten an Ständen, was ihre Kultur zu bieten hat. So auch Deutschland. Man machte keinen Halt vor jeglichem Klischee. So erklärten uns die deutsche Dame und ihre südkoreanische Kollegin im Dirndl mit Otto Versand Logo, dass es wahnsinnig schwer sei, deutsche Produkte nach Südkorea zu importieren. Dass man es dann ausgerechnet schafft Spreewaldgurken in Dosen nach Seoul verschifft zu kriegen ist allerdings schon wieder verwunderlich. Der restliche Nippes hätte wohl aus jedem koreanischen Klischee-Souvenir-Shop stammen können: Kühlschrankmagneten in Form von Bierkrügen und Kuckucksuhren, Kuhglocken und Oktoberfestbilder luden Interessierte nicht wirklich zum Verweilen ein. Schade eigentlich.

Langsam wurde es Zeit sich auf den Abschied von Seoul einzustimmen. Für den letzten Abend hatten wir uns etwas Besonderes aufgehoben. Meine Koreanisch Lehrerin in Hamburg hat uns ein Restaurant empfohlen, das wir als Touristen unmöglich hätten finden können. Im Untergeschoss eines Hotelgebäudes versteckt besuchten wir das Restaurant ‚산들해‘. Nach einer kurzen Wartezeit bekamen wir einen Tisch zugewiesen. Mit Englisch kamen wir hier nicht weit und als wir uns so umsahen, bemerkten wir, dass wir relativ offen von anderen Besuchern im Restaurant angestarrt wurden, denn wir waren die einzigen ’nicht asiatischen‘ Gäste.

Die ausschließlich auf Koreanisch verfasste Speisekarte wurde uns vom Kellner wieder entwendet und er ging einfach davon aus, dass wir, wie alle anderen Gäste, wegen des traditionellen koreanischen Menüs gekommen sind, was auch stimmte. Kurze Zeit später kam dann unser Essen auch und zwar mitsamt kompletter Tischplatte, die einfach über unsere Tischplatte geschoben wurde. Wir saßen nun vor unzähligen kleinen Tellerchen und Schälchen gefüllt mit den Köstlichkeiten, die die koreanische Küche zu bieten hat. Der Clou dabei: Auf allen Tischen war das Essen exakt gleich angeordnet. Sah ein Kellner im Vorbeigehen eine leere Schale, so wusste er sofort, was er uns neu bringen musste. Alles wurde so lange neu aufgefüllt, bis wir ein Zeichen gaben, dass es uns nun genug sei. Und das alles für umgerechnet unglaubliche 9 Euro pro Person. Es war ein einziger Traum.

Auf dem Rückweg entschlossen wir uns ein paar Stationen entfernt vom Hotel auszusteigen und einen nächtlichen letzten Spaziergang am Cheonggyecheon Fluß zu machen. An einer Brücke spielten Straßenmusiker eine so großartige Version von ‚Every breath you take‘ von The Police, dass wir stehen bleiben mussten. Inzwischen hat sich eine kleine Traube singfreudiger Koreaner um die Musiker geschart und mit dem Handy hielt ich zufällig eine Eigenkomposition der Jungs fest, die uns, in unseren letzten Momenten in Seoul, die Tränen in die Augen schießen ließ. Es waren wundervolle Tage in einer spannenden Stadt. Wir wurden wehmütig. Die Gruppe ‚Bird‘ mit Sänger In-Se Lee und dem Song ‚With you‘.

Am nächsten Tag brausten wir mit dem Schnellzug KTX in die Hafenstadt Busan.

 

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