Kukkiwon

KUKKIWON: World Taekwondo Headquarters

Auf den Tag genau, exakt 20 Jahre nach meinem ersten Taekwondo Training, besuchte ich die weltweite Hauptzentrale meines Lieblingssportes: das ‚Kukkiwon‘ in Seoul. Von hier aus werden seit 1972 alle wichtigen Entscheidung für Taekwondo getroffen und umgesetzt. Gültig für die ganze Welt. Und irgendwo dort existiert eine Liste mit meinem Namen drauf…

Ich begann am 3. Mai 1993 mit Taekwondo. Ich kenne das Datum deshalb so genau, weil ich schon nach dem ersten Training wusste, dass diese Kampfkunst mein Leben maßgeblich beeinflussen würde. Wenn ich auch noch nicht so genau erahnen konnte wie. Ich erinnere mich noch an das erste Training. Ich weiß sogar noch, mit wem ich damals trainiert habe. Und ich weiß noch mit welchem Glücksgefühl ich damals nach Hause gefahren bin.

Über das Kukkiwon hörte ich über die Jahre spannende Geschichten. In den frühen 1990er Jahren gab es noch kein Internet und dadurch war Korea gefühlt weiter weg als heute. Es gab einfach nicht die Möglichkeit mal eben schnell Dinge zu recherchieren und Bücher zu diesem Thema waren noch exotischer als der Sport an sich es zu dieser Zeit war. Nach meiner bestandenen Prüfung zum 1. Dan – dem schwarzen Gürtel – erreichte mich direkt aus dem Kukkiwon  eine Urkunde. Und wie so viele Taekwondo Sportler auf der Welt hatte auch ich den Traum irgendwann einmal nach Südkorea zu reisen, um diesen besonderen Ort zu erleben.

3. Mai 2013. Wir machten uns nach einem späten Frühstück mit der grünen U-Bahn Linie 2 auf den Weg nach Gangnam. Ja genau. DAS Gangnam aus dem bekannten Lied. Mitten durch Seoul fließt der Fluß Han. Das Geschäfts- und Luxusviertel liegt südlich davon und deswegen heißt es auch so:  ‚Gang‘ heißt übersetzt ‚Fluss‘ und ‚Nam‘ ist das koreanische Wort für ‚Süden‘. Gangnam bedeutet also ’südlich vom Fluss‘.

Während der Fahrt hatten wir uns noch schnell online informiert, wie wir nun genau zum Kukkiwon kommen. In Korea ist das wahnsinnig komfortabel. Alle Wagen, egal ob in U-Bahn oder Fernzügen, sind mit Wi-Fi ausgestattet. Tageszugänge hierfür sind für umgerechnet etwa 3 Euro in den oftmals 24 Stunden geöffneten Convenience Stores zu bekommen. Mehr Informationen hierzu und weitere Reisetipps findest Du hier.

Nach etwa 30 Minuten Fahrt verließen wir die Bahn  an der Station Gangnam durch Ausgang 12. Da die riesigen Bahnstationen in Seoul oftmals unzählige Ein- bzw. Ausgänge haben sollte man sich immer vorher informieren, durch welchen man sein Ziel erreicht. Es kann sonst tatsächlich passieren, dass man mehrere hundert Meter entfernt in einer völlig anderen Ecke die Orientierung verliert. In diesem Falle lief alles perfekt. Noch in der Station und sofort am Ausgang fanden wir Hinweisschilder, die uns den Weg wiesen.  Und zwar weg von der achtspurigen Hauptverkehrsstraße, gesäumt von modernen Hochhäusern mit verglasten Fassaden, 555 Meter steil bergauf durch schmale Straßen und Gassen.

Schließlich standen wir vor der Zufahrt zum Hauptgebäude und auf dem Torbogen waren schon das vertraute 국기원 (Kukkiwon) zu sehen.

Wir kämpften uns weiter bergauf und da war es nun endlich, das 1972 erbaute Gebäude, in dem so viel Geschichte geschrieben wurde. Die Institution Kukkiwon wurde gegründet, um den Geist des Taekwondo und die koreanische Kultur in der ganzen Welt zu verbreiten. 1973 wurde hier die erste Taekwondo Weltmeisterschaft der Geschichte abgehalten und seit 1974 existiert das legendäre Kukkiwon Taekwondo Demonstration Team, das bis heute um die ganze Welt tourt, um seine spektakuläre Show vorzuführen.  Außerdem erreichte man von hier aus, dass Taekwondo mit den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney zu einer olympischen Sportart wurde. Und seit über 40 Jahren nun kommen Taekwondo Meister aus der ganzen Welt zur Fortbildung  hierher.

Ein freundlicher Mitarbeiter am Haupteingang erlaubte uns, uns überall umzusehen. Und so gingen wir erstmal direkt ins Herzstück des Kukkiwons: die Sporthalle. Die Decke ist gesäumt mit den verschiedensten Nationalflaggen und überall wird das Motto ‚Unifying the world with Taekwondo‘ ausgerufen. Ein Ausspruch, der auch Inspiration für mich war, die weltweite Kampfkunstfamilie auf meinen Reisen zu besuchen. Außer uns waren kaum Besucher da und ich saugte in aller Ruhe die Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Ortes auf.

Die Sporthalle wird umrundet von einem Gang, in dem die diversen Büros des Kukkiwon, sowie die etwas in die Jahre gekommenen Umkleidekabinen untergebracht sind. Aus einem dieser Büros erreichte mich damals meine Dan Urkunde. An den Wänden der Flure hängen unzählige Fotos aus den letzten Jahrzehnten.

Rund um das Hauptgebäude gab es noch weitere Dinge zu entdecken. Neben einer keinen Pagode gibt es drei Gedenksteine. Einer wurde zur ersten Taekwondo Weltmeisterschaft 1973 gesetzt, die anderen zur Aufnahme des Taekwondo als Olympische Sportart. Leider hatte das Taekwondo Museum an diesem Tag geschlossen, aber ich habe mir fest vorgenommen zurück zu kehren, um es zu besichtigen.

Im Frühjahr 2014 eröffnet in Muju, im Südosten Koreas, der Taekwondo Park, der das neue Mekka der Taekwondowelt werden soll. In diesem Zusammenhang diskutiert man in Korea gerade, ob das Kukkiwon dorthin umziehen soll. Beide Ziele sind auf meiner Liste für meine Korea Reise 2014. Insofern gibt es bestimmt bald einen Update dieses Artikels.

KUKKIWON – World Taekwondo Headquarters
Linie 2 (grün) bis Station ‚Gangnam‘, Ausgang #12
www.kukkiwon.or.kr

Ein Video von meinem zweiten Besuch im Kukkiwon im Mai 2014 gibt es hier.

Außerdem habe ich in 2014 den inzwischen eröffneten Taekwondo Park, das Taekwondowon besucht.

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