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Korea 2013 – Tag 1: Ankunft in Seoul

Im Mai 2013 erfüllte ich mir einen lang gehegten Traum. Zusammen mit Uwe machte ich mich auf den Weg nach Südkorea, um dort mein 20jähriges Taekwondo Jubiläum zu feiern. Obwohl Uwe mich zuerst fast für verrückt erklärte war er etwas später doch Feuer und Flamme und ist inzwischen selbst ein Fan vom Land der Morgenstille.

„Wohin? Was willst Du denn da??“ war Uwes Reaktion, als ich ihm in seinem Reisebüro eröffnete, dass ich eine Korea Reise bei ihm buchen möchte. Korea ist für Deutsche tatsächlich noch ein sehr exotisches Reiseland. Im Jahr 2012 reisten nur etwa 100.000 deutsche Touristen nach Südkorea. Nach Thailand schafften es immerhin ungefähr 500.000 deutsche Touristen. Kein Wunder also, dass Uwe Korea zwar irgendwann schonmal gebucht hatte, mich aber auch gut genug kannte um zu wissen, dass ich mich nicht mit einer Katalogreise zufrieden geben würde. Nachdem ich ihm ein wenig von Korea, der koreanischen Küche, der Popmusik und vor allem vom Taekwondo vorschwärmte, versprach er mir sich für mich schlau zu machen.

Ein paar Wochen später sprachen wir wieder über Korea und zu meinem Erstaunen eröffnete er mir, dass die Recherchen ihn sehr begeistert hätten und er fragte mich, ob ich ihn mitnehmen würde. Aber ja! Und schon fingen wir an Pläne zu schmieden und ein Reisedatum festzulegen.

30. April 2013 > Flughafen Frankfurt am Main

Ich muss nicht erwähnen, wie aufgeregt ich war, dass es endlich losgehen sollte. Unser Check In wurde von einer sehr freundlichen Korean Air Mitarbeiterin mit hessischer Schnauze vorgenommen, mit der wir ins Plaudern gerieten. In bester Urlaubsstimmung nahmen wir Platz und warteten auf unseren Flug, der auch einige Zeit später pünktlich aufgerufen wurde. Sofort bildete sich die übliche Schlange zum Einsteigen und wir reihten uns ein. Als eine erste kleine Verzögerung angekündigt wurde nahmen wir wieder Platz und warteten weiter. Etwa eine Viertelstunde später wurde eine weitere Verzögerung angekündigt und es wurde Mineralwasser und Snacks an die Reisenden verteilt. Zuerst freute ich mich über diesen höchst aufmerksamen Service, wurde jedoch schon an dieser Stelle nervös. Warum würde man so einen Aufwand betreiben, wenn es gleich losgehen sollte?

Wir beobachteten das Bodenpersonal und mittendrin tauchte plötzlich unsere hessische Check In Dame wieder auf, die uns sah und mit einem Kopfschütteln keine guten Hoffnungen machte. Kurz darauf kam sie zu uns rüber und sagte, dass es technische Probleme am Flieger gäbe, die man gerade versuche zu beheben. Es würde aber nicht gut aussehen.

So zog sich der Abend in die Länge und brav im Viertelstundentakt wurden wir über die aktuelle Lage informiert bis schließlich gegen 22.30 Uhr ein letzter Test angekündigt wurde. Würde dieser positiv ausfallen, könnten wir doch noch starten. Tat er aber nicht. Und somit waren wir in Frankfurt am Main gestrandet und alle Reisenden wurden ins Sheraton Flughafen Hotel verfrachtet. Übrigens so perfekt organisiert, dass ich glaube, dass schon länger fest stand, dass wir an diesem Tag nicht mehr hätten starten können.

Im Hotel angekommen brach dann das Chaos los, dass uns bis zum Abflug verfolgte. Zuerst fanden wir die Rezeption nicht, dann den Speisesaal nur durch Zufall und noch schlimmer: über den Abflug am  nächsten Tag wurden wir nicht, wie mehrmals versprochen, telefonisch informiert. Irgendwann am nächsten Tag klingelte mein Telefon auf dem Zimmer und Uwe rief hektisch durch den Hörer, dass wir sofort los müssten. Er selbst hatte die Information auch nur durch mehrmaliges Nachfragen bekommen. Wir rannten hektisch von einem Terminal ins andere, um von dort nach dem Einchecken wieder ins ursprüngliche Terminal mit dem Bus zurückgefahren zu werden.

Als wir dann endlich im Flieger saßen waren wir total geschafft, obwohl der Tag gerade erst begonnen hatte. Egal. Mit 17 Stunden Verspätung sollte es endlich losgehen. Das erste koreanische Lunch, das wundervolle ‚Bibimbap‘, das mit einer Bedienungsanleitung serviert wurde, entschädigte dann aber doch und stimmte uns auf Korea ein.

Wir landeten, mehr oder weniger erholt, am frühen Morgen des 2. Mai 2013 auf dem menschenleeren Flughafen Incheon und schafften es problemlos an einem Automaten ein Ticket für den Expresszug nach Seoul zu lösen. Gleich daneben stand gottlob ein Automat mit kaltem Kaffee in der Dose, den ich natürlich sofort ausprobieren musste. Nach etwa 40 Minuten Zugfahrt stiegen wir im Hauptbahnhof Seoul aus und beschlossen zur Weiterfahrt ins Hotel ein Taxi zu nehmen.

Der erste Kulturschock traf uns, als wir den Hauptbahnhof verließen und das erste Mal koreanische Luft schnupperten. Über der ganzen Stadt hing ein starker Duft, den man hierzulande am ehesten aus Asia Supermärkten kennen dürfte. Nur noch stärker. Es dauerte tatsächlich 2-3 Tage, bis wir uns an diesen Geruch gewöhnten.

Die ersten visuellen Eindrücke um den Hauptbahnhof herum waren nicht sonderlich prickelnd, aber das sind sie in deutschen Städten in der Regel auch nicht. Wir gingen direkt zum Taxi Stand, wo sich Koreaner brav in einer Reihe aufstellten und von einem älteren Herren jeweils ein Taxi zugewiesen bekamen. Im Taxi versuchte ich dem älteren Fahrer begreiflich zu machen in welches Hotel wir möchten. Leider erfolglos. Ich kam ins Schwitzen. Dass er Englisch nicht verstand hatte ich erwartet. Ich gab mir Mühe mit meinen neu erlernten Fetzen Koreanisch weiter zu kommen, aber auch das half nicht. Den auf Englisch ausgestellten Hotelvoucher schien er auch nicht lesen zu können. Schließlich tippte er eine Nummer in sein Handy und reichte es mir hinter. Ich war überrascht. Am anderen Ende der Leitung stellte sich mir auf Englisch ein Übersetzungsservice vor, dem ich unser Anliegen vortrug. Ich gab das Telefon zurück an den Fahrer und dieser erhielt auf Koreanisch das Fahrtziel genannt. Leider mussten wir trotzdem noch drei Mal Passanten nach dem Weg fragen. Irgendwie kamen wir dann doch noch völlig erledigt an, um auf unseren Hotelzimmern den nächsten Kulturschock zu erleben. Eine beheizte Toilettenbrille und eine High Tech Toilettenspülung mit Bedienungsanleitung. Willkommen in Korea!

Nach einer kurzen Pause verließen wir unser Hotel um die Stadt zu erkunden. Wir wohnten mitten im Herzen Seouls im Stadtteil Jongno mit vielen Sehenswürdigkeiten in Laufweite. Außerdem war Insadong ganz in der Nähe, eine niedlich-sympathische Ecke Seouls, in der es viele kleine Kunstgalerien, Cafés und Restaurants gibt. Unser erster Spaziergang führte uns an dem nicht zu übersehenden Jongno Tower vorbei in Richtung Cheonggyecheon.

Der Cheonggyecheon ist ein Fluss in Seoul, über den man 1968, im Zuge des rasanten Wirtschaftswachstums der Stadt, eine mehrspurige Straße gezogen hatte. In den 1990er Jahren litt man darunter, wie hässlich Seoul insgesamt geworden war und im Jahre 2003 wurden Pläne verkündet die Straße wieder abzuschlagen, um den fast vertrockneten Fluss wieder freizulegen und an ihm entlang eine Art Erholungsfläche für die Stadtbevölkerung  zu konzipieren. Das 650 Millionen Euro teure Projekt stieß zuerst auf heftigen Widerstand, aber inzwischen hat sich der Cheonggyecheon zu einer wahren Oase inmitten des Metropolentrubels entwickelt. Wir sind in den folgenden Tagen hier oft entlang geschlendert und konnten beobachten, wie Einheimische und Touristen gleichermaßen für einige Momente die Seelen baumeln ließen.

Unser Weg führte uns weiter am Rathaus und dem gegenüber liegenden Deoksugung Palast vorbei und ließen es langsam angehen. In einem Café hat Uwe ein milchähnliches Getränk serviert bekommen, von dem wir bis heute nur vermuten können, dass es sich wahrscheinlich um Süßkartoffel Latte gehandelt hat. Es fing an zu regnen, die zahlreichen unterirdischen Einkaufspassagen waren ungewohnt für uns, wir waren müde… die Stimmung war auf einem Tiefpunkt.

Gottlob zeigte sich am Nachmittag noch einmal die Sonne und wir entschieden noch nicht zum Hotel zurück zu gehen, sondern eine der Hauptattraktionen Koreas zu besichtigen, den Gyeongbokgung Palast. Als wir auf dem Gelände etwa eine Stunde vor Schließung ankamen war es angenehm leer und ein schöner Frühlingsabendwind wehte uns um die Nase. Die wunderschöne Palastanlage, die Ruhe, der Wind… All das ließ zum ersten Mal das Gefühl aufkommen endlich in Korea und im Urlaub angekommen zu sein.

Wir ließen den Tag mit einem Bummel durch Insadong ausklingen und setzten uns ins Fenster eines Starbucks um bei einer Green Tea Latte noch ein wenig das bunte Treiben auf den Straßen zu beobachten. Allerdings fühlten wir uns nach kurzer Zeit beobachtet, denn immer wieder blieben Leute vor Starbucks stehen, um selbiges zu fotografieren. Das Rätsel klärte sich erst später auf. Diese Filiale ist die einzige Starbucks Filiale in Korea, an der der Name in der koreanischen Schrift Hangul angebracht wurde und somit selbst für Koreaner eine Touristenattraktion.

Ein ereignisreicher erster Tag in Korea ging zu Ende. Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des koreanischen Nationalsportes Taekwondo.

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